19.12.2019

Briefe



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ID: 17930 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 07.12.1862
 

Düsseldorf den 7.t Dec. 1862.

Denke ich mir Sie geliebte Clara heut im alten guten Dresden umherwandernd, so packt mich ordentlich die Sehnsucht mit Ihnen in der alten Heimath sein zu können u Sie so über die Bürgerwiese oder in alte bekannte Räume zu begleiten – oder was doch immer [der] erhebendste Genuß, in der herrlichen Gallerie vor den Meisterwerken unsrer größten Künstler zu schauen und zu staunen! – Möchte Ihre Reise u der ganze Winter ferner für Sie u die Kinder so günstig vergehen wie bisher; ich freute mich so von Herzen der guten Nachrichten die Frl. Leser am Dienstag von Ihnen hatte u besonders auch daß Ihre Elise so befriedigend u befriedigt lebt u wirkt! – Wenn Jeder seine Pflichten treu erfüllt u Andren zur Freude u Nutzen lebt dann ist ja Alles für diese Welt zu erstrebende da, mag es im größten, mag es im kleinsten, im poetischeren oder praktischeren Wirkungskreis sein! – Nun aber zuerst zum nöthigen geschäftlichen dieser Zeilen – sonst verplaudre ich mich mit Ihnen, wie man es so gern thut, in den Gefühlen u Gedanken unsres inneren Lebens. – Die gute Frau Matthieu schrieb mir schon vorigen Monat gleich wieder wie sehr Alle in Trier, Luxemburg u Saarbrücken Ihr Kommen wünschen u wie die ersten Tage des Februar ganz gut passen; sie legte mir die Briefe von Musikdirektor Gernsheim a. Saarbrücken u von Herrn Wilh. Ziller aus Luxemburg bei, die Beide bereit sind nach Kräften Ihnen nützlich zu sein u ihr Möglichstes thun wollen! – Alle schmachten danach Sie Mal zu hören u Frau Matthieu schreibt, daß „sie mit ihren musikalischen Freunden der Ansicht sei, daß sie es wagen dürfen Frau Schumann zu solch’ musikalischem Kreuzzuge in ihre künstlerischen Steppen u Öden zu verlocken.“ Und ferner: „daß doch genug Leute da seien die dieses Namens Klang zu würdigen wissen u es um so höher schätzen wenn Eine der höchsten Auserwählten der heiligen Kunst sich zu uns herab läßt!“ – Frau Matthieu will f. Trier mit ihren Adjudanten [sic] gern Alles übernehmen, was zu besorgen ist! – Und wenn Sie theure Frau nun Ihr Kommen in die 3 Städte bestimmen, dann wollen sie gleich im Januar die Subscriptlisten cirkuliren lassen, um Ihnen zur rechten Zeit die bestimmte gute Nachricht über hinreichende Einnahmen zukommen zu lassen! – Wegen eines Flügels müßten Sie dann bestimmen, denn ob grade an allen 3 Orten gute vorhanden sind, ist die Frage. Herr Ziller a. Luxemburg sagt daß ein guter städt. Concertsaal u ein guter Erard’scher Flügel bei ihnen vorhanden! Herr Gernsheim in Saarbrücken nennt den Casino-Saal als sehr gut u für 8 Th. Miethe zu haben – aber mit den Flügeln scheint es mir da u in Trier unsichrer! – Das Entrée scheint dort meist auf 20 Sg. – 25 Sgr gesetzt zu werden. In Trier würde nun Frau Hartmann gern singen, die dort sehr beliebt u viel Stunden giebt; der Mann ist Direktor der Gewerbeschule[,] sehr nette gebildete Leute. – Herr [W. Ziller] schreibt, daß die Männergesang Vereine in Luxemburg bei Ihnen gewiß gern zu Hilfe bereit wären u überhaupt die Mitwirkung von Musikern u Dilettanten sicher sei „da Jeder sich eine Ehre daraus machen würde eine so berühmte Dame nach besten Kräften zu unterstützen“. – Also bitte antworten Sie mir Herzensfrau oder gleich Frau Matthieu ob Sie noch die Leute dort beglücken wollen u können – das Beste wäre doch wohl, wenn Sie direkt schrieben! – Nehmen Sie vorlieb, wenn ich Manches ungeschickt geschrieben, Sie wissen, daß ich doch mit der Feder nicht halb so gut fort kann wie Sie! – Mein Mann u Marie grüßen herzlichst mit; ersterer hat etwas Katarrh u muß den Hals schonen, aber sonst ist er doch munter u wie ich hoffe bald wieder ganz mobil! – Wie mögen Sie unsre arme Fanny H. gefunden haben? –
Empfehlen Sie uns auch an Frau Dr. Frege u wen Sie sonst an alten Freunden sehen! – In treuster Liebe Ihre Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 87-90
 



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