19.12.2019

Briefe



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ID: 17939 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 02.02.1873
 

Düsseldorf den 2t Febr. 1873.
Meine theuerste Clara!
Jedenfalls wären heut innigste Grüße für Sie u die lieben Mädel zu Ihnen gereist; denn es drängte mich täglich zu oft Ihnen nach zu denken u wieder u wieder auszusprechen, wie schön es doch um unsre treue Freundschaft ist!! – Nun kam Ihr Brief heut früh beim Frühstück, was gleich den Sonntag festlich machte, u Gottlob brachte er ja gute Kunde! Tausend Dank dafür! Daß der Zug nicht gut war, hatte mein Mann mir gleich mit großem Bedauern für Sie mitgetheilt, u ich war um so gespannter, ob Sie nun auch nicht zu langsam u schlecht gefahren sein. Wenn Letzteres auch der Fall, so scheint doch sonst Alles pünktlich u in Ordnung gewesen zu sein – u wir wissen Sie drei Lieben nun doch wieder bei treuen Freunden geborgen! – Am schönen Gelingen Ihres Spieles u Ihrer ganz Aufnahme [sic] unter den Musikern zweifelte ich nie! – Uns sind noch Ihre herrlichen Töne vom letzten Abend immer [in] den Ohren – nur jammert mein Mann, daß er nicht mehr von der Beeth. Sonate hörte! – Frau Goldschm. kam gestern sehr freundlich noch, u blieb lange im Atelier, Alles mit Lebendigkeit sehend; sie bedauerte wahrhaft Sie verfehlt zu haben u war da grade zu ihrer Jenny gefahren. Sie grüßt Sie herzlichst, u erwartete ihren Mann heute um sehr bald weiter n. Hamburg zu reisen. – Die Kälte nimmt zu; aber der rauhe Wind ließ nach u so fuhr ich vorhin mit Ihrem lieben Brief gleich zu Frl. Leser. Ich fand sie sehr behaglich in der neuen Wohnung; mit den Augen besser u Frl. Jungé auch munter, wenn gleich noch sehr müde aussehend. Durch schlechte Handwerker u dgl. Mißstände sind sie noch nicht in Ordnung, aber im Wesentlichen doch fertig. Die gute Fr. Cohnitz schickte heut wieder einen frischen Braten u sorgt wirklich schwesterlich! – Über den Kummer Sie so wenig genoßen u garnicht [spielen] gehört zu haben, helfe ich natürlich mit möglichster Heiterkeit hinweg; u war Frl. Leser auch heut wieder in der alten kräftigen Stimmung dankbar das Gute anzuerkennen, u auch auf Frl. Jungé’s Gesundheit zu hoffen. Es sind doch Beide gar so liebe Wesen u nun Sie geliebte Clara wieder fort, wirklich meine vertrautesten u treusten Freunde! Ferdinand’s künftiger Schwiegervater schickte uns die Verlobungsringe; so möchte ich gern mein Glückwunsch senden, bitte daher um Ferdinand’s Addresse!Mein Ohr ist wieder ziemlich in Ordnung, aber will noch etwas geschont sein, u so werde ich vorläufig vornehm sein u nur fahren. Mein Mann hält sich tapfer u grüßt Sie tausend Mal mit mir; er geht eben zur armen Wiegmann die noch schwere Tage mit ihrem Clärchen durchmachte, die durch Herzschlagen u Athemsnoth einen Tag ganz entsetzlich litt. Dr. v. d. St. mußte starke Dosen Morphium geben, wonach denn Ruhe u langer Schlaf eintrat; u so scheint das liebe arme Wesen der schwer geprüften Mutter doch noch erhalten zu bleiben! – Ja, es giebt viel Noth in dieser Welt! – Von unsern Kindern sonst hörten wir Gutes – Ernst’s u Felix’ Zukunft geben uns auch viel zu denken u zu sorgen – doch schauen wir muthig vorwärts für Beide; sie sind ja brav u tüchtig! – Hörten Sie Neues von Felix?
Vielleicht schreibt uns Marie oder Eugenie einige Worte ehe Sie Brüssel verlassen! Gott hüte Sie ferner. Mit wärmstem Kuß
Immer Ihre treuste Lida B.

Daß Sie es dieses Mal oft so etwas confus bei uns hatten, that mir noch oft leid; – aber andrerseits weiß ich ja wie nachsichtig Sie mit uns sind.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 212ff.
 



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