19.12.2019

Briefe



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ID: 17951 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 09.01.1870
 

Düsseldorf den 9t Januar. 1870.
Erst heut komme ich dazu Ihnen theuerste Clara unsre allerwärmsten Wünsche zum begonnenen Jahr, u tausend Dank für Ihre lieben Worte vom 30t Dec. zu sagen, die uns sehr erfreuten. Gott gebe, daß Ihnen Alles Schwere fern bleibe u viel viel des Guten wenigstens das unvermeidliche Leid leichter tragen laße. – Hoffentlich ist der Rheumatismus an der Hand u überhaupt vorüber, u wir sehen Sie hier bald recht frisch u wohl wieder, wozu wir uns schon unendlich freuen! – Gestern Abend war ich ein paar Stunden bei Frl. Leser u da können Sie denken, wie meist nur unsre geliebte Frau Schumann u deren Kinder der Inhalt unsrer Gespräche [war]. – Besonders angenehme Veranlaßung dazu, gab auch noch ein prächtiger Brief von Julie, den sie uns nach Empfang der Photh. [sic] Mappe schrieb; ihr tief u dankbar empfundenes Glück das sie an der Seite des edlen Mannes genießt, spricht sie so einfach u warm u schön aus, daß es Jeden erbauen muß. Gott erhalte es ihr, u schenke Ihnen durch Julien’s Glück auch noch manche Herzensfreude. – Von Felix hatten wir endlich Mittwoch einen langen lieben Brief, was ich Ihnen auch noch mittheilen muß, da Sie so treu u warm mit uns fühlen, was wohl das Mutterherz entbehrt u duldet. – Er war Ende Nov. auf den Cap-verden an der westl. Küste Afrika’s u dort schickte er den Brief ab; also freilich war dieser 5 Wochen über Lissabon unterwegs; aber unsre Freude doch groß, nach Monaten seine Handschrift wieder zu sehen u ihn bis dahin frisch u froh in seinem Beruf zu wissen; jetzt kommen sie wahrscheinlich eben in West-Indien an im Hafen von Lagraira, wo sie sich mit dem General-Gouverneur in Verbindung zu setzen haben. – Doch genug liebste beste Clara – Sie haben gewiß in der letzten Woche in Wien wieder noch schrecklich viel zu thun u die lieben Freunde dort, werden trauern, daß Sie u Marie wieder scheiden müßen.
Ich hoffe doch, daß Sie in Dresden bei Hübner’s wohnen werden u die trübe Angelegenheit mit dem alten Vater und dem armen unzurechnungsfähigen Ludwig sich besser klärt, als Sie fürchten. –
Hier sollen schon Goldschmidt’s angekommen sein u die Probe für seine Ruth nun mit Ernst beginnen; das Concert ist z. 20t angezeigt – am Ende sind Sie dann schon hier? –
Mein Mann grüßt tausendmal; unser ältester Sohn nahm die Photh. an Joachim mit u so sind sie gut u sicher zu ihm gelangt.
Alles Andere mündlich! Herzlich küßt Sie u Marie im Geiste
Ihre alte getreue
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 151ff.
 



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