19.12.2019

Briefe



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ID: 17959 Brieftext


Geschrieben am: Montag 21.01.1878
 

Düsseldorf den 21t Jan 1878.
Geliebteste Clara!
Nehmen Sie auch noch spät unsre treusten innigsten Wünsche zum begonnenen Jahre – es war mir nicht möglich früher zu schreiben, so gern ich es auch wollte! Verzeihen Sie es, u fühlen Sie nur täglich, stündlich, wie warm wir immer das Beste für Sie u die Kinder erflehen, u wie glücklich u dankbar Sie uns durch Ihre treue Liebe machen! – Ihr lieber Brief traf pünktlichst am Neujahrestage bei uns ein, u that sehr wohl! Ach! ja, das große Leid das unserm armen Ernst u seiner treusten schwergeprüften Wine auferlegt, ist so ein recht tiefster Herzenskummer für uns Eltern! Den Kindern Schmerz u Krankheit u Alles Schwere nicht erleichtern, nicht abnehmen zu können ist eine herbe Erfahrung, die man aber freilich mit Vielen Vielen trägt. Unsre Nachrichten klingen immer sehr trübe; Rudolf sagt uns heut noch, daß Ernst sehr schwach sei, fast immer Nachmittags fiebre, u auch Husten u fatale Magenzustände quälen oft! – So ist es uns längst klar, daß die arme Wine nicht allein bleiben kann u darf u wenn Rudolf nun 11 Wochen den Geschwistern Hilfe u Trost war, denken wir ihn abzulösen. Solch’ junger Mann muß nicht zu lange seiner ersten Arbeit u seinen Studien entzogen werden; u wir Eltern sind doch auch die Allernächsten nun zu helfen u zu erleichtern was möglich ist! – Wohl ist es meinem Mann schwer sein Atelier u das Haus zu verlassen, aber da er sonst wohl, die Reise durch Frankreich in gewärmten Wagen gut u bequem sein soll – so muß man eben hier so gut Alles ordnen u einrichten als möglich ist! – Das Herz zieht Einen zu sehr zu den Kindern die unsern Trost u unsere Hülfe am meisten bedürfen; das ist ja nur natürlich! Und wenn die Opfer auch groß sind, so kann man es doch machen; u muß später sehen, wie man sich einst weiter einrichtete. Der kleine Herrmann wird nebst einer kleinen Cousine auf’s Sorgsamste von Fr. Jung gepflegt, u kann sie natürlich nicht die 2 anvertrauten Enkel verlassen! – Doch genug, u Verzeihung daß ich so klagend schrieb! – Trotzdem freuen wir uns von Herzen Ihrer schönen Thätigkeit, u bitten nur wieder u wieder daß Sie sich nicht zu sehr anstrengen! – Hoffentlich sucht Marie durch richtige Mittel u Diät sich recht zu kräftigen. Alles Gute Allen ihren Kindern! – Beifolgende, wie uns schien, sehr schöne u eingehende Beschreibung des Requiem Ihres theuren Mannes, denken wir interressirt Sie zu lesen!
Bitte schicken Sie sie denn gleich an Frl. M. Meyer, Berlin. S. W. Alte Jakobstr. 126.
Minna’s Bruder, ein Dr Moritz Meyer hat es geschrieben, ein sehr gelehrter u sehr musikalischer Mann; u ich bat Minna darum. Frl. Leser meinte auch, Sie würden es gern durchsehen, daher schicke ich es mit. Brahms’ schöne Erfolge mit seinen Werken sind ja herrlich u freuen uns auch sehr! – Frl. Leser war wieder die ganze Woche mit starkem Husten zu Haus; jetzt ist die Frida da, um ihre Sachen mit n. Hamburg abzuholen. – Und nun ade – ich habe gar so viel zu schreiben u zu machen u zu thun. Mit tausend Grüßen von meinem Mann in treuster Umarmung
Ihre alte Lida B.

Daß Fr. Matthes ihre Schwester in Cöln die Fr. v. Asten eben verlor, hörten Sie gewiß schon?

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 250ff.
 



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