19.12.2019

Briefe



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ID: 17968 Brieftext


Geschrieben am: Montag 17.02.1879
 

Düsseldorf d. 17t Febr. 1879.
Meine arme theure Clara!
In Ihrem Innern wird es nun auch singen: „Siehe wir preisen selig, die erduldet haben“ u die ewige Ruhe gönnt man den Geliebten, nachdem sie so tapfer das irdische Leid durchkämpften! – Aber die Sehnsucht bleibt groß, u der Schmerz um die so früh Geschiedenen bleibt tief im Innern! – Gott stärke u tröste Sie an Ihren andern geliebten Kindern! – Gestern Nachmittag schon theilte uns Frl. Leser die Trauerkunde durch Ihre Depesche mit, u jetzt nun kam Ihr Brief, der mich so recht durch u durch betrübte. – Tausend [Dank] Sie Arme theure Freundin, daß Sie uns selbst einige Worte sagten, wie gern flögen wir zu Ihnen u gäben Ihrem geliebten Kinde das Geleite zur letzten Ruhestätte u umarmten Sie Alle! Ach! ja, ich weiß es nur zu gut, wie weh es thut die besten geliebtesten Kinder begraben; u wie unfaßlich ist es, daß grade die Jugend durch so schweres Leid geprüft wird, bis die Seele sich in andre Welten aufschwingen kann! Täglich gedachten wir so oft zu Ihnen u grade wollte ich heut schreiben nur um zu sagen: „wir sind in innigster Theilnahme mit Ihnen“, denn auch wir wußten ja, daß Ihr armer Felix nur noch kurz hier auf dieser Erde weilen sollte! – Doch wohl uns geliebte Clara, die wir nur in Dank auf die Verklärten blicken können; u sie uns durch ihre schönen Gaben u edelstes Streben nur wohlthuende Erinnerungen hinter ließen! – Es gibt überall so viel Leid, grade jetzt; unsre Hedwig in Berlin verlor einen Bruder von 11 Jahren in 4 Tagen an Diphteritis während die Eltern Krüger aber nach Nizza abgereist waren, weil Herr Krüger auch recht leidend ist. Nun kam Frau Krüger schnell zurück, u ließ ihren Mann allein, denn die Sorge daß noch ein andres ihrer Kinder angesteckt sein könnte, ließ ihr keine Ruhe. Zum Glück blieben aber jetzt Alle wohl, wie noch so eben unser Sohn schreibt. Bis auf meines Mannes schwache Stimme, geht es uns sonst gut. Helene fuhr heut auf einige Tage nach Berlin zu ihrer alten Mama u um ihren Schwager Dr. Siegmund zu sprechen, weil sie sich immer nicht so recht wohl fühlt. Sie bleibt mit den Kindern wohl noch bis Ende März hier! – Ich denke mir Ihr Ferdinand kommt gleich zu Ihnen für einige Tage, u hilft bei allen schweren u traurigsten letzten Liebesdiensten für den so früh dahin Geschiedenen! – Im wärmsten Mitgefühl trauert mit Ihnen
Ihre treuste Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 262ff.
 



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