19.12.2019

Briefe



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ID: 17972 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 30.12.1870
 

Düsseldorf den 30t Dec. 70.
Meine geliebte Clara!
Möchten doch diese Zeilen Sie wieder ganz gesund finden u das fatale Ohrenleiden geheilt – das muß heut unser ganz besonderer inniger Wunsch sein – nebst dem herzlichsten zum neuen Jahre für Sie u Alle Ihre Lieben. – Sie dürfen solche Erkältung am Kopf u grade am Ohr nicht leicht nehmen u wir bitten Sie dringend nicht n. Breslau zu reisen, wenn Sie nicht ganz wohl! Es könnte sonst so leicht ein bleibendes Leiden entstehen! – Wir haben seit 10 Tagen auch starken Frost u viel scharfen Wind u da ist es für alle schwächlichen Naturen geboten sich fein still zu Haus zu halten, um sich nicht ganz unbrauchbar zu machen! – So nehmen wir an, daß es in Berlin u Breslau noch kälter ist u Sie, mit Unwohlsein, wirklich auch sehr vorsichtig sein müssen. – Tausend Dank für Ihre Zeilen vom 26t die mir wieder größte Erquickung waren! – Gewiß werden Sie uns sehr sehr willkommen sein theuerste Clara u ich hoffe doch, daß Marie u Eugenie mit kommen! – Letztere schläft dann eben im kl. Zimmer neben uns das auch einen Ofen hat; u Sie u Marie bleiben unten beisammen – dann brauchen Sie nicht so viel steigen u auch für die Koffer ist es bequemer! – Von Umständen unter uns alten Freunden ist ja keine Rede – Sie wissen wie gern u traulich wir mit Ihnen sitzen u wie wir uns freuen wenn Sie kommen! – Trotz der Sorge um die Söhne, kann ja unser Beisammensein schön sein! Wir theilen gegenseitig Freud u Leid – u mit unsern theilnehmenden Seelen kann man ja nur Genuß für’s Herz haben – selbst wenn Gott Schwerstes schickte! – Frl. Leser sagte ich natürlich v. 6t – Sie war garnicht aus in den kalten Tagen u klagte sehr! – Aber gestern fand ich beide liebe Damen doch ziemlich munter! – Mein Mann grüßt herzlichst u dankt u fühlt für Sie u die Ihren wie ich – das wissen Sie!
Grade heut habe ich auch ungewohnt viel zu schreiben – so verzeihen Sie die Eile! – Von Ernst u Felix fehlen die Briefe! Leider können diese ja oft auf Nebenwegen in Frankreich nur langsam befördert werden! – Unser ältester Sohn schrieb aus Rouen – ihm fehlten seit d. 16t Nov. Briefe von uns. – Rudolf hat schweren Dienst vor Mégiéres u war grade am 1t Feiertag von früh 7 U. bis 4 U. in kaltem Winde mit auf Vorposten. Das gegenseitige Schießen that ihm nichts – doch Gott Dank – er scheint gesund! – Also auf Wiedersehen Ihr drei Liebsten. Wenn ich nichts höre, holen wir sie [sic] am 5t Abends 8¼ U. vom Köln-Mind. Bahnhof.
Gott befohlen
In alter Liebe
Ihre getreuste
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 171ff.
 



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