19.12.2019

Briefe



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ID: 17978 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 21.02.1872
 

Düsseldorf den 21t Februar 1872.
Meine theure Clara!
Wie sollen wir denn genug danken für alle Ihre Liebe u wohlthuend herzlichen Worte, die Ihre beiden lieben Briefe am Freitag u gestern uns brachten, u in denen Ihre ganze große warme Seele uns, wenn möglich, noch schöner erhebt, als je! Und Ihre herzlich geliebte Marie schreibt uns auch so mit der vollen Freude u Theilnahme über die wiedergekehrte Stimme! – Tausend innigen Dank Euch Beiden Liebsten; – warmes Mitgefühl thut in der Freude wie im Leid immer so besonders gut – u grade jetzt, wo ich so viel des Guten erlebt u Gott es so gnädig mit uns Allen fügte, möchte ich Allen [sic] Lieben immer fühlen lassen wie ich ihnen im Geiste nahe bin! – Gern hätte ich grade Ihnen geliebte Clara gleich selbst von der wiederkehrenden Stimme geschrieben – u wie so köstlich es war daß am Abend wo unsre Hedwig u ihr Papa ankamen mein Mann schon mit etwas Ton sprach, u wirklich die freudige Erregung ihm, wie es fast schien, die volle Kraft brachte! – aber ich war doch sehr beschäftigt in den Tagen, oder vielmehr, ich war zu geizig mit den Stunden um die lieben Gäste recht zu genießen! – Und so freute ich mich gar sehr, daß Frl. Leser in gewohnter treuster Freundschaft u Liebe unser Glück u unsre Freude Ihnen mittheilte! – An Ernst u Felix, an Hübner’s mußte ich doch auch die frohe Botschaft mittheilen; u Frau Krüger mußte ich von ihrem Kinde sagen, wie wir es immer mehr lieben lernten u wie Hedwig durch ihr herzlich offnes Wesen u durch ihre feine Bildung u Klugheit eigentlich jedes Herz gewinnt. – Wir haben, nachdem Fried u der Papa Krüger fort waren doch auch einen Abend ganz still in ernsten Gesprächen gelebt u da dann auch so recht ihre reine bescheidene Seele sich aufthun sehen u oft über ihren klaren Verstand gestaunt u die Trennung am Sonnabend wurde mir sehr sehr schwer u die Öde im Haus will noch heut mir nicht behagen, u doch fühle ich unsren Reichthum u unser Glück in allen Kindern, die Gott uns rein u brav erhalten, wahrlich mit immermehr Erhebung. – Donnerstag früh. Grade in den letzten Tagen kamen so viele unverhoffte Besuche u Anfragen aller Art, daß ich erst jetzt wieder zur Fortsetzung komme; u nun vor Allem muß ich es aussprechen wie freudig wir die guten Nachrichten von Ihnen u Marie lasen u wie wir wünschen, daß ferner Alles im „stolzen England“ sich Ihnen zum Guten u Besten gestalte! – An der See in Hastings muß es ja köstlich gewesen sein, u sicher thäten Sie recht sich nochmal, sobald es geht, in der guten Luft zu stärken u durch so herrliche Natureindrücke zu erquicken! – Hoffentlich ist es Herrn Burnand auch gut bekommen, u seine Gesundheit ist ganz wiedergekehrt. – An Marie noch besonderen Dank wegen Bemühung um die Tischdecke; – aber wir wollen die Sache ruhen lassen, u beschäftigen uns jetzt mehr für die Einrichtung unsres jungen Paares als um das was wir Alten brauchen könnten! Die Hochzeit wird im April sein, aber ob Mitte oder Ende des Monates wird sich ganz nach Fried’s Urlaub zu richten haben, u dieser wieder hängt von allerlei dienstlichen Pflichten ab, deren ein Hauptmann mehr hat, als man so denkt!
Wiederum ende ich nach einer Pause, in der ich Frl. Leser u Cohnitz sah u wissen Sie ja nun schon daß unser junger Freund Kolitz sich mit Wiwi verlobt. Die Sache hat mich mit sehr erregt – denn er ist mir fast wie ein Sohn, u die Furcht er könnte so in seiner unschuldigen treuen Art zu leicht Feuer gefangen u sich nicht ernst genug geprüft haben, liegt mir auch noch etwas auf der Seele! Wiewohl es von beiden Seiten tief u ernst gefühlt u überlegt scheint! – Noch muß ich Ihnen theure Clara nur sagen, wie sehr uns die besseren Nachrichten über Julie erfreut u daß wir sehr bitten ferner uns mit zu theilen was Sie von ihr u Eugenie u was Sie aus Berlin hören. – Und nun ade u Verzeihung für diese wunderlichen Zeilen! – Eins bleibt ja doch immer u ewig unter uns daß wir uns lieben! u daß wir in wahrster Freundschaft die alten Getreuen bleiben! –
So denn Gott befohlen – Ihre
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 190ff.
 



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