15.07.2019

Briefe



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ID: 17979 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 21.02.1872
 

Düsseldorf 21 Febr. 72
Liebe u verehrte Freundin
daß Sie u die liebe Marie sich mit der Wiederkunft meiner Stimme so gefreut, dß Sie mir sofort schrieben, /eine Thätigkeit welche Sie Beide im Ueberfluß ausüben!/ ist mir ein Beweis Ihrer Liebe die mich beschämt, aber wahrhaftig innerlichst erfreut u schmeichelt. Letzteres nicht in dem Sinne den man so gewöhnlich unter Schmeicheln versteht, sondern in solch’ einem ungefähr, wie wenn Einem die Frühlingswinde um die Backen schmeicheln. Es wird Einem so wohl dabei, als wenn eine liebe Hand uns hinter den Ohren kraule! Und so sage ich Ihnen u der lieben Marie denn meinen besten Dank, daß Sie in dem Treiben u Wogen Ihres herrlichen Berufes an mich so lebhaft gedacht haben!
Ich kann nur sagen, was ich immer angedeutet habe, dß für mich solche Zeiten der Redelosigkeit weniger empfindlich sind, als es Freunden wie Sie sind erscheinen mag! Was fehlt mir eigentlich wenn ich mein Haus u Familie u meine Beschäftigung habe, welche beide vollständig genügen um mir das Herz voll zu machen?
Daß nun der Himmel oder der Herr des Himmels und die schöne Frühlingsluft die wir, wie Sie in England, auch hier haben, mich wieder hergestellt haben, grade als die Braut meines Sohnes, er selbst u sein zukünftiger Schwiegervater hierher kamen, das war auch solch’ eine eben geschilderte Schmeichelei!
Denn Braut u Schwiegervater sind beide so liebenswürdige Menschen, wie man sie sich nur in der Phantasie ausmalen mag u namentlich Hedwig eine so tiefe u erfrischende Persönlichkeit, daß man sich’s gar nicht besser wünschen mag u kann! Für uns Beide waren die Tage ihrer Anwesenheit, ebenso wie für unsere Kinder, eine rechte Herzensfreude, welche weit über jene Tage hinausreicht! Somit also noch einmal meinen besten Dank! Möge es Ihnen Beiden gut gehen wie bisher u mögen Sie die Welt ferner und noch lange, so entzücken, wie Sie uns hier entzückt haben!
Mit den herzlichsten Grüßen
Ihr
E Bendemann.

Grüßen Sie Joachim, der wahrscheinlich an uns vorbei gerutscht ist.

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 188ff.
 



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