19.12.2019

Briefe



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ID: 17980 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 17.05.1872
 

Düsseldorf d. 17.t Mai 1872.
Meine innig geliebte Clara
Schon gestern Mittag hatte ich Ihre treuen Liebesworte aus Coblenz, u war gar zu froh u dankbar, daß es Ihnen doch nach der Erregung der Abreise bald wieder besser wurde u Sie so weit glücklich reisten! Ich hoffe sicher, daß Ihr guter Stern Sie weiter glücklich führte; daß Sie mit dem „flotten Studio“ gestern u heut sich freuten u heut Abend dann von den Töchtern umarmt u so recht innerlich froh in’s trauliche u behagliche Haus geleitet werden! – Meine Gedanken u mein Dank sind immer mit Ihnen, u waren die Tage Ihres Hierseins doch wieder gar zu köstlich für uns; – ich glaube, Sie ahnen kaum, wieviel Sie uns sind u wie groß die Lücke, wenn Sie wieder fort! – Rudolf kam Mittwoch Abend schon an; Felix u Gottfried Schadow gestern morgen, u Alle bedauern natürlich, daß Sie nicht mehr hier, u daß Sie nicht beim Musikfest mitwirken. – Es ist höchst behaglich mit den drei lieben Kerlen, u Jeder in seiner Weise tüchtig u anregend; u frisch u froh in’s Leben schauend. Das Wetter war gestern hier köstlich – wir konnten lange im Garten sitzen, Marie u die Kinder kamen auch, u schöne Militärmusik nebenan beim General v. Obernitz war wie ein bestelltes Ständchen für die lieben Gäste! – Mein Mann läßt sich im Fleiß nicht stören, weil er doch gern sein Bild im Juli fertig hätte. Er grüßt Sie viel tausend Mal u bedauert mit mir wieder u wieder, daß unsre Söhne Sie versäumten, u daß nicht mehrere der Unsern an Ihren köstlichen Tönen sich erbauten! – Vom Musikfest habe ich noch nichts gehört u gesehen – nur einige Fremde bemerkte man gestern Abend im Hofgarten. An Frl. Leser ließ ich gestern Mittag gleich die gute Kunde von Ihnen wissen, u dann begegneten wir uns Abends am Ananasberg, wo sie mit Cohnitz u Fr. v. Bartels etwas gesessen hatte. Beide waren ganz munter, u so wie es warme schöne Luft ist, sieht auch Frl. Jungé gleich viel besser aus. – Ich werde zum Reisen zureden so viel ich kann, u wollte nur die reichen Herrn Vetter schickten einige gute Bonbon’s, um das Reisen u die Sorgen Frl. Leser zu erleichtern. Wenn ich Fr. Cohnitz dieser Tage sehe, will ich gleich in delikater Weise zu forschen suchen, ob nichts zur Reise für Frl. Leser geschieht. – Briefe sind keine für Sie gekommen, theure Clara. Die Handschuh waren noch nicht fertig u werden also nächste Woche mit dem Bilde kommen! – Sind die Koffer, die Körbe u Schachteln Alles glücklich angelangt? – Bitte plagen Sie sich nicht mit Schreiben an mich; thun Sie es nur an Frl. Leser, die so sehr glücklich dadurch ist u durch die [ich] ja Alles höre! – Ich küße Sie u Marie u Eugenie, u bin u bleibe in dankbarster Liebe
Ihre alte treue
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 193f.
 



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