19.12.2019

Briefe



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ID: 17988 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 31.12.1881
 

Düsseldorf d. 31t Dec. 81
Theuerste Clara!
Viel innigsten Dank muß ich noch schnell in den letzten Stunden des scheidenden alten Jahres Ihnen zurufen für den lieben lieben Brief; u dann vor Allem wärmste Segenswünsche von uns zum beginnenden neuen Jahre! – Ach! Möchte es Ihnen u Ihren geliebten Kindern nur Gutes u Bestes bringen! Alles Leid bleibe fern, u ungestört Ihre Kraft u Frische in der Kunst, u im Leben u Lieben! Daß Sie immer noch die etwas spätere Gratulation an meinen Mann sich zum Vorwurf machen, ist wirklich unrecht! Grade wo wir so von gegenseitiger Liebe u Treue seit Jahren so fest beseelt sind, kann ja ein so kleiner Irrthum oder ein unschuldiges Vergessen das schöne Band doch niemals lockern! – Uns wenigstens würde es unmöglich sein Ihnen oder Ihren Kindern irgend je etwas übel zu deuten! Und so kann ich auch heilig versichern, daß ich mir garnicht bewußt bin weniger herzlich bei Ihrem letzten wohlthuenden Besuch gegen M. gewesen zu sein. Ich ahnte dgl. nicht, u Ihre Andeutung im Brief traf mich wie ein unschuldig Kind! – Aber ich kann mir wohl denken, daß ich mitunter stiller u weniger aufmerksam bin u darin möchte ich um Verzeihung bitten! Aber der Kummer um der geliebten Kinder Leid, um unsres armen Fried hinsiechenden Zustand, um die neue Trennung von Rudolf, (der zwar recht munter ist) u Vieles Andre hier bei Otto u. s. w. drücken mich danieder, das weiß ich wohl, u zerstreue mich! – Trotzdem suche ich mir den Dank für Alles Gute obenan zu stellen, u bin so glücklich, daß mein Mann nun mit 70 Jahren so frisch ist, u die Freude des „Ehren-Doctor“ aus Berlin, ihm wirkliche Freude machte! Auch bei Felix geht es so gut; das Töchterchen u Helene befinden sich jetzt am 10t Tage ganz nach Wunsch u es ist große Freude daß es nun eine! „Miss Bendemann“ gibt! – Also schenken Sie mir die alte Liebe u Nachsicht auch im neuen Jahr, u nun genug! Wie unendliche Briefe u Wünsche werden Sie erhalten! Kommen doch bei uns auch so Viele! – Bei Frl. L. war ich heut; sie ist recht heiter; u von Brahms theilte ich ihr natürlich mit was Sie schrieben. – Mich erstaunt bei einem solchen Mann der zeigte nichts! Minna Meyer die so warm u schön fühlte schrieb neulich: „erst kommt der Mensch, u dann der Künstler“, u das unterschreibe ich ganz.
Und Sie geliebte Clara halten es auch so u das ist grade das Schöne u Wohlthuende was uns von Ihnen so erquickend ist!
Gott mit Ihnen! – Ihre treuste L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 284f.
 



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