15.07.2019

Briefe



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ID: 17989 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 01.01.1882
 

1 Jan. 82
Liebe Freundin!(?)
Auch ich pflege in der Neujahrsnacht zwischen 11 Uhr 55, u 12 Uhr Jahresabrechnung über meine Freundschaft abzuhalten. Und da muß ich sie freilich Ihnen u Ihrer Marie kündigen. Letztere hat uns beleidigt. Sie hat einmal mich u ein ander Mal Lida von der Seite angesehen, ohne dß wir es merkten. Dies ist nun freilich eine Beleidigung die zum Bruche führen muß. Es thut mir leid – namentlich um die hübsche Musik – aber auch um Frl Leser. Denn diese hat die Beleidigung gesehen u steht ganz auf unsrer Seite.
Ich schäume vor Leidenschaft u Wuth u will meiner Traurigkeit eine Gränze setzen, indem ich zur Philosophie greife, deren Doctor ich bin! Diese sagt mir nun, dß es in jeder Beziehung richtiger sei, seine Leidenschaften zu bezähmen u erlittene Beleidigungen zu vergessen. So denke ich lassen wir es beim status, quo ante, wie der Lateiner sagt, d. h. wir haben uns Alle ebenso lieb, wie vor der Beleidigung u Marie namentlich zähmt ihre Leidenschaft.
Von Herzen: Prosit Neujahr! Ihnen und den Ihrigen, liebste Freundin!
Ihr
EB.

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 286
 



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