19.12.2019

Briefe



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ID: 17993 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 16.05.1882
 

Düsseldorf den 16t Mai 82
Geliebte Clara!
Alle unsre treusten Wünsche fliegen nun zu Ihnen, daß doch der Hausbesitz nur Gutes u Angenehmes bringen möchte, u nach allen Kämpfen um das: „Ja oder Nein“ die behagliche wohlthuende Ruhe eintritt! – Hoffentlich haben Sie den besten Rathgeber beim Contrackt zur Seite; u machen Sie sich denn nun auch wirklich keine Unruhe mehr deshalb! Man kann in dieser Welt nicht Alles aussorgen; u daß Sie gut u gesund u angenehm wohnen müssen, ist nicht nur richtig u nöthig, sondern sicher Aller u Vieler, die Sie lieben u verehren, wahrer u aufrichtiger Wunsch! –
Ich meine auch, man kann sich lieber etwas Anderes versagen, u in manchen äußeren Dingen vorsichtiger sein; aber das „traute u gute Heim“ geht doch Allem vor! – Marie u Eugenie sind nun gewiß auch zufrieden! Denn wie schwierig, wie kostspielig wäre ein Umzug u eine neue Einrichtung für Sie Alle gewesen!
Vielen Dank von uns Beiden, daß Sie uns gleich schrieben! Fr. Steinmetz sprach ich auch schon gestern bei Frau Matthes, die immer noch liegen muß mit ihrem schlimmen Bein. (Aderngeschwulst) Aber doch geht es besser, u man sitzt immer gern bei diesen trefflichen u wirklich auch für uns so theilnehmenden Müttern! – Grüßen Sie H. u. Fr. von Herzogenberg bitte recht warm von uns. Damals hatten wir so schöne Tage mit ihnen in Berchtesgaden, an die ich gern denke, wie an Vieles Schöne u Erhebende, das man erlebt! – Das muß im großen Kummer oft stärken; u Gottlob haben mein Mann u ich immer gegenseitigen Trost u Dank! Könnten nur solch’ armen Kranken die schweren unendlichen Leiden erleichtert werden; die sind doch das Härteste. „Geduld, Geduld“ schreibt unser armer Fried. Sie sind in Naumburg; u nehmen eben eine Wohnung, deren einige Gute u sehr reizend in Gärten Gelegene es gibt! Die arme Hedwig hat zum Glück liebe alte Bekannte da, die ihr helfen! – Oft ist der geliebte theure Sohn aber schon so schwach, daß man meint, es lohne kaum die Wohnung einzurichten, u doch muß es grade seinetwegen geschehen. Er wünscht sich so sehr in eigener Häuslichkeit zu sein. – Meines Mannes Stimme ist etwas besser, aber „Schweigen“ noch sehr nöthig, sonst wird sie wieder schlechter. Gänzliche Ruhe des Organs ist sein bestes Mittel.
Von den andern Kindern u Enkel lautet es befriedigend! Rudolf ist diese Woche in Veytaux bei Lausanne wo man im Hotel des Alpes sehr gut aufgehoben ist. Wenn es milder wird, möchte er Pfingsten bei uns sein! – Bei Frl. Leser war ich gestern Abend 1 St. – sie ist mir wirklich die beste Freundin; u bleibt sie doch merkwürdig munter u frisch. Fr. Cohnitz hält sich in letzter Zeit auch besser, obwohl sie immer nicht recht wohl ist.
Gott mit Ihnen u Allen Ihren Lieben! – In alter u innigster Liebe immer Ihre getreue L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 294ff.
 



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