19.12.2019

Briefe



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ID: 17994 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 17.06.1882
 

Düsseldorf d. 17t Juni 82.
Geliebte Clara!
Alles schwerste Leid muß ja nach Gottes unerforschlichen Rathschlüssen zu unserm Besten sein, u so beugen wir uns still, u er giebt Gottlob Kraft es zu tragen! Oft ist es mir noch unbegreiflich daß man so weiter leben kann; – u dann wieder fühle ich mich erhoben durch Alles Gute u Beste was mir in meinem theuersten Mann, den Kindern u Enkeln noch geblieben ist! – Auch der Gedanke tröstet daß der arme Dulder so sanft erlöst wurde u seine Hedwig, die seltenste Pflegerin, so still an seiner Seite saß, Hand in Hand, als der letzte Athemzug ihn dahin nahm! – Er sehnte sich ja so nach Ruhe, daß sie zuletzt nur mit ihm darum beten konnte! Und in allem tiefsten Herzenskummer, ist sie jetzt auch immer noch dankbar für das sanfte selige Scheiden! – Er hat tapfer u treu gekämpft, als Mann in seinem schönen Beruf, u als Leidensträger in langer Krankheit! – Die herrlichen Worte im Paulus „sei getreu bis in den Tod, so wirst du die Krone des Lebens haben“, tönten oft in mir fort! Und wie schön ist es doch meine Clara daß wir auf unsre Theuren Verklärten Alle mit Dank für ihr Leben hier schauen, u jegliche Erinnerung an sie rein u wohlthuend ist!! So geht es Ihnen, so geht es uns. – Jeder Heimgang einer edlen reinen Seele, hilft uns sicher auch immer wieder zum Besten u Höchsten! Und so soll unsre Trauer nie bitter, nie zu viel klagend sein! Sondern alle Kraft wachsen für beste Hülfe in allem Guten! Viel innigsten Dank für Ihre so köstlich wohlthuenden Worte, u ebenso an Marie u Eugenie! Ich war ganz gerührt daß Beide uns auch schrieben; überhaupt haben wir wahrste u schönste Theilnahme von allen Seiten! – Mein Mann kam Dienstag Abend ganz wohl zurück, u ihn am Bahnhof gleich laut sprechend zu empfangen, war natürlich eine Herzensfreude in Allem Leide! – Über 8 Tage reise ich zur armen Hedwig u bleibe 1 Woche ruhig bei ihr – man hat ja viel zu besprechen; u die Sehnsucht zusammen zu sein, ist gegenseitig groß! – Gott gab ihr auch wunderbare Kräfte; sie pflegte den geliebten Mann ganz allein! – Sie wohnen sehr hübsch in Naumburg mit schönem Garten! – Mein Mann kommt mir über 14 Tage nach; dann gehen wir einige Tage n. Loschwitz-Dresden, wo mein Mann auch zu thun hat. Dann nochmal zu Hedwig, auch zu Felix u. H. u sind Mitte Juli wieder hier.
Gott sei Dank ist hier Alles wohl! – Rudolf ist seit Donnerstag in Lippspringe – der Arme muß auch vorsichtig sein.
Mein Mann umarmt Sie im Geiste mit mir! Gott mit Ihnen u Ihren Lieben[.] Frl. Leser ist wohl, ich war heut bei ihr! – Immer Ihre treue Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 296ff.
 



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