19.12.2019

Briefe



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ID: 18004 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 23.10.1885
 

Düsseldorf d. 23t Ockt 1885.
Meine theure Clara!
Die traurige Nachricht über Ihren lieben Bruder hatte ich fast erwartet, denn schon neulich schrieben Sie so sehr Beängstigendes über seinen Zustand, daß ich gleich sagte: „Ach! möchte der Arme sanft hinüberschlummern können“. – Gottlob daß er ausgelitten hat, u den Seinen bis zuletzt das herrliche Bild wahrer Ergebung u stillen Dulden’s hinterließ!! – Ich begreife daß Sie heut nicht im Concert spielen wollten; u doch that es uns Allen so sehr leid, weil Sie sich doch ganz dafür einrichteten u Alles sich gewiß so sehr darauf freute! Hoffentlich können Sie es bald nachholen u sind in wenigen Tagen, wenn die erste Erschütterung über die Trauerkunde sich beruhigte, wieder recht frisch! – Man sollte doch denken daß von Dresden oder Leipzig aus ein schöner Nachruf dem nun Verklärten in den Zeitungen folgt; denn da er so wahre Verdienste wie guten Unterricht hatte, werden doch verständige u ernste Musiker grade gern einen solchen Mann bei seinem Scheiden zu ehren suchen. – Nun auch noch vielen Dank für Ihr Briefchen an mich v. 11t d. M. u für die lieben Worte die Sie meinem Mann schickten. Die Photh nach der Büste zu sehen, interressierte uns sehr – aber wie Sie richtig sagen, sie ist zu unvortheilhaft, wenn auch ähnlich! – Möchte die Vollendung, u Ihre Reise nach Florenz im Frühjahr gelingen! – Aber wann könnten Sie nun hierher kommen liebste Clara? Ist es nicht mit der Leipziger-Reise zu vereinen? – Mein Mann ist leider noch recht verhustet u ohne Stimme; aber wir hoffen doch immer auf Besserung; – u leider kennen Sie ihn ja in seiner Stummheit u haben oft mit „dem Aufschreiben“ vorlieb genommen! –
Von Felix kam gestern p. Telegr. Kunde seiner glücklichen Ankunft in Plymouth – u wir sind dankbar ihn dort zu wissen nach guter Fahrt durch die Nordsee, die grade in dieser Jahreszeit oft stürmisch u schlecht ist! Nun segelt er nächster Tage weiter durch die Straße von Gibraltar nach Malta, wohin wir ihm zunächst schreiben. Seiner Helene u den Kindern u unsern andern Lieben geht es gut! –
Nun genug! – Sie haben schon immer zuviel zu lesen! – Marie u Eugenie mit Ihnen Herzlichstes u Wärmstes.
In treuer Umarmung Ihre alte
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 322f.
 



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