15.07.2019

Briefe



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ID: 18005 Brieftext


Geschrieben am: Montag 26.10.1885
 

Df. 26.10.85
Liebe Freundin!
Es bedarf keiner Entschuldigungen wenn Sie mir eine kleine Gelegenheit geben Ihnen dienlich zu sein. Und an Zeit fehlt es auch nicht. Nur konnte ich [nicht] gestern schon diese Zeilen abgehen lassen, weil wegen des Sonntags u dem üblichen Besuch der Kinder u. s. w. Lida nicht Zeit hatte vor Abend die Briefe u. s. w. zu lesen. Es ist nicht leicht ein bestimmtes (mit Gefühl gemischtes) Urtheil sich zu bilden über das Einschiebsel, wenn man nicht die vorhergehenden u nachfolgenden Briefe zur Vergleichung zur Hand hat. Es fehlt der Maaßstab bis zu einem gewissen Grade, wie weit, in diesem Stückchen der Mittheilungen über R. Sch inneres Leben, gegangen werden kann, ohne etwas zu verwunden. So wie wir nun ganz kühl u ohne ganz im Zusammenhange zu sein dieses Einschiebsel ansehen, glauben wir, daß eine kurze Inhaltsangabe davon genügen könnte, um die allerdings auch mir sehr nothwendig erscheinende Lücke auszufüllen. Um mich deutlich zu machen etwa so: „Um hier eine Lücke auszufüllen, welche zwischen den letzten u den folg. Briefen in eine Zeit fällt aus welcher keine Briefe vorhanden sind [möge] Folg. [dienen.] Nach dem Tode Rosalies u eines sehr geliebten Bruders verfiel R. in eine tiefe Melancholie, die ihn mit den fürchterlichsten Gedanken erfüllte u verfolgte. Er klagte seiner Umgebung u auch einem Arzte seinen bejamme[rn]swürdigen Zustand mit [sic] u man glaubte ihm Halt u Ruhe wieder schaffen zu können, wenn man ihm anrathe, sich an eine andere Seele [anzuschließen u]in die Ehe[zu] treten. Er hatte Ernestine kennengelernt u glaubte in diesem überaus guten Mädchen diejenige gefunden zu haben, welche ihn wieder glücklich machen könnte u trat in ein Verhältniß zu ihr. Jedoch zeigten sich bald [große] Schwierigkeit [sic] innerer u äußerer Art, – kurz, um zu den alten Sorgen nicht noch neue für das ganze Leben zu schaffen, wurde das Verhältniß gelöst. Nun trat das Bild Claras, welche inzwischen zur Jungfrau herangereift war, wieder hell vor seine Seele und – das Weitere findet sich in den folg. Briefen.“ Glauben Sie nicht, dß ich dies für gut geschrieben halte u dß ich auch nur entfernt übelnehmen würde, wenn Sie (vorausgesetzt, dß Sie vom Abdruck [der] mir gesandten eignen Worte R. Sch’[s] absehen sollten) ganz etwas Andres dafür setzten. Es soll nur im Groben u Ganzen eine Idee geben. Dagegen muß ich aber freilich sagen, dß die eignen Worte unendlich anziehender für die Leser sein würden u ferner, dß ich nicht weiß, in wie weit mein Vorschlag Ihre Befürchtungen in Betreff Wasilewskys genügen könnten; ob die eigenen Worte R. Schs den mehr zuerkennen würden, was W. zu enthüllen im Stande wäre, als mein Vorschlag. Für das Verständniß u zur Ausfüllung der Lücke könnte es m. E. genügen, namentlich wenn Sie u Marie noch Verbeßerungen u. s. w. [darin] machten.
Die Vorrede erscheint mir sehr gut. Ich möchte nur fragen, ob Sie nicht anstatt zu sagen: „um ein möglichst abgerundetes Bild zu geben“ schreiben wollten „um, wenn auch nur aus einem kurzen Zeitraum, doch wenigstens ein abgerundetes Bild etc.“
Mit herzlichem Gruße von Lida u mir.
Ihr
E Bendemann

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 324ff.
 



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