15.07.2019

Briefe



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ID: 18011 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 02.03.1886
 

Düsseldf 2.3.86.
Liebste Freundin!
Sie haben uns so herzlich u freundlich aufgefordert auf unserer Fahrt in den Süden bei Ihnen Halt zu machen, daß es mehr als unartig wäre, wenn ich, der ich der eigentliche Urheber dieser Reise bin oder vielmehr die widerwillige Ursache derselben, Ihnen nicht für Ihre liebevolle Aufforderung meinen Dank sagte. Abgesehen davon, daß die kalte Witterung unsere Abreise vielleicht unmöglich macht, muß ich leider sagen, daß ich meiner Gesundheit nicht zumuthen kann die Reise zu unterbrechen. Ich würde bei Ihnen das nicht finden, was ich brauche[:] warme Lüfte, freie u häufige Bewegung in derselben. Ich bin seit ein paar Monaten, u länger, kaum aus dem Hause gewesen, habe nur unter meinen Pinseln u Farben gelebt u würde bei Ihnen gar nicht wissen, wie ich Ihnen u den Kindern nicht ein überflüssiger Ballast im Hause sein müßte. Also verzeihen Sie meine abschlägige Antwort in gewohnter Freundschaft u Güte. Aber, wenn wir wieder zurückkom[m]en dann hoffe ich auf Stunden u Sonnenschein wie vor einigen Jahren in Ihrem Gärtchen, wenn Sie nicht wirklich, was ebenso schön wäre, Ihren Gedanken ausführen können nach Italien zu reisen und uns dort zu treffen. Möchte das ausführbar sein! An den Briefen Ihres theueren Mannes haben wir uns noch oft sehr erfreut, alte Erinnerungen aufgefrischt und neue Anschauungen über ihn und seinen herrlichen Geist gewonnen. So können wir nur Ihnen unsern Dank für die Veröffentlichung derselben wiederholen, welchen auch die übrige Welt ausspricht soweit ich von derselben gehört u gelesen. Mit großer Freude hat Frl Leser uns mitgetheilt zu unsrer großen Freude, daß Ihr Spiel im Museum und Ihr Empfang dabei so glänzend war. Mögen Sie noch oft sich selbst u der Welt solche Freuden bereiten können! Begierig bin ich s. Z. zu hören, ob der englische Magnet wieder seine alte Kraft bewähren wird. Vor allen Dingen wünsche ich, dß Ihre Gesundheit nicht die Ursache zur Ablehnung sein möge. Von uns berichtet sonst meine Gattin8 der es Gott sei Dank gut geht. Am meisten beschäftigt uns gestern u heute die Nachricht von der Ankunft unsres Felix in Sidney, welche per Telegramm an die Admiralität am 28 Fbr. erfolgte. Ein Wort von 10 Buchstaben kostet 10 Mark. Für Familienvergnügen ist das etwas viel! Nehmen Sie vorlieb hiermit[,] grüßen Sie die Kinder u bleiben gut Ihrem E Bendemann

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 330ff.
 



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