19.12.2019

Briefe



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ID: 18017 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 01.05.1889
 

Düsseldorf d 1t Mai 89.
Innig geliebte Clara!
Wie sollen wir Ihnen nur so recht aus vollstem Herzen sagen welche große u tief rührende Freude uns gestern Abend Ihre Worte u Ihre Blumen-Sendung waren! – Ein so selten warmes Mitgefühl u so wahre wohlthuende Freundschaft können nur wenige höchstbegabte Seelen ihren Nächsten erweisen! Daß Sie es können wußten wir in tausend Dank freilich seit lange; – aber nun meine ich, alle Worte sind unfähig Ihnen nur den allerinnigsten Dank zu bringen, den wir heut empfinden! – Außerdem aber bewegte es mich so sehr, schon Ihre liebe Handschrift zu sehen, denn Frl. Leser u wir konnten es doch garnicht begreifen daß nicht ein Wort von den lieben Schumann’s seit 3 W. zu hören war u Allerlei Sorge machten wir uns darüber! – Sicher ging 1 Karte oder 1 Brief dieses Mal verloren; Frl. Leser war eben hier u nun auch so froh daß Sie doch wohl waren u selbst schreiben konnten! – Möchte das schöne Italien nur seine guten Seiten Ihnen fühlen lassen, u Kunst u Natur wahre Erquickung bringen, so wie es uns doch oft geschah, selbst im größten Weh!! Grade gestern hatte ich nach Pegli geschrieben, wo ich mit lieben Freunden immer im Verkehr bin, die unsres theuren Rudolf Grabstätte mit versorgen! Am 3t, übermorgen, sind es schon 5 Jahr daß er hinüberschlummerte! Also ein wunderbares Zusammentreffen daß dann Abends grade Sie uns mit den Worten u Blumen von des geliebten Ernst Grab so herrlich beschenkten! – Seit 4 Tagen haben wir endlich auch wärmere Lüfte u unser Hofgarten prangt im ersten Grün u die Nachtigallen schlagen! – Auch blüht der Rhododendron schon im Garten; ist es auch nicht in der köstlichen Fülle Italien’s, so genießt man jede erste Blume doch mit Freuden! Etwas Erkältung kommt immer noch Mal über uns, aber es geht im Ganzen gut u auch bei den Kindern u Enkeln! Unsre Hedwig hat nur grade einen ernsten schweren Tag heut in Ilefeld am Harz zu überwinden wohin sie ihren einzigen Sohn für einige Jahre in Pension giebt! Sie selbst wird der Eltern Krüger in B. Stütze sein, weil Frau Kr. sehr zart wurde u ganz still leben muß! – In Kiel wurde die Kleinste vor 8 Tagen getauft, sie heißt Ruth, u sind sie wohl u dankbar mit der kleinen muntren Schaar! – Tief schmerzte uns der Tod unsrer so sehr lieben Minna Meyer, die nach längerem Leiden am 2t Ostertag sanft hinüberschlummerte! Sie wissen was Sie [sic] uns u unsern Kindern seit 50 Jahren war. Wir wechselten alle 14 Tage Briefe u theilten uns Alles mit!
Verzeihen Sie mein langes Plaudern! – Adio! – Möchte Ihre Reise ungetrübt bleiben u Sie Alle Drei recht frisch heimkehren! –
Wir Beide bleiben in treustem Dank u innigster Liebe im Geist mit Ihnen immerdar! –
Ihre alte L. Bendemann.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 372ff.
 



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