19.12.2019

Briefe



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ID: 18018 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 08.06.1889
 

Düsseldorf den 8t Juni 1889
Theuerste Clara!
Mit den wärmsten Grüßen zum schönen Pfingstfest, komme ich mit der besonderen Bitte zu Ihnen u Marie unsrer lieben alten Frl Leser nicht gar so selten zu schreiben! Nur eine Karte mit wenig Worten beglückt sie u auch uns! Jetzt, wo sie mit der Rose am Fuß auf dem Sofa liegt u schon seit 3 Wochen wegen eines schlimmen Fußes überhaupt nicht aus konnte, ist sie der Erquickung so bedürftig. Und wie dankbar ist sie für jedes Wort; ihre Sehnsucht von Ihnen u den Ihrigen zu hören wächst natürlich u dann macht sie sich auch Sorgen, wie es Ihnen doch gehen mag! –
Ihr letzter Brief war aus Baden-Baden als Sie aus Italien heimkehrten – das ist schon mehrere Wochen her! – Heut früh war ich bei ihr, u da war unser Gespräch so viel in der Erinnerung an die theure Freundin u Ihren besten geliebten Mann dessen Geburtstag ja heut war! – Heut vor 8 Tagen standen wir an seinem schönen Monument, das von köstlichem Grün u reizendsten Blumen[umgeben] so erbaulich u erhebend anzuschauen war! –
Wir verlebten eine Woche ganz still in Godesberg was mir sehr wohl that nach vielerlei Unwohlseins; u auch meinem Mann war der Aufenthalt durchaus behaglich! – Zu dem traf es sich so gut, daß unser Neffe, der Gesandte Busch aus Stockholm zu mäßiger Wasserkur hinkam u wir diesen feinen kenntnißvollen Mann so recht in Ruhe genießen konnten! – Auch unser andrer Neffe, der Hauptmann Bendemann a. Berlin hatte gerade bei Bonn zu thun u war einige Mal zu Tisch bei uns! Wir kehrten am Donnerstag schneller zurück als wir beabsichtigten, um unsern 3t Neffen Prof. Emil Hübner hier auf der Rückreise von Spanien zu treffen, wo er neu gefundene Inschriften zu studieren hatte. So konnte ich gestern nicht gleich zur armen Frl. Leser gelangen, u war diesen Morgen gar zu froh sie doch etwas besser zu finden! – Ein schöner Regen mit wenig Gewitter mildert heut die Wärme; im Gürzenich wird es aber doch sehr heiß sein, u ich wage mich nicht mehr in so drückende Luft! Aber unser Otto u Mariechen sind zu den Proben hingefahren! – Nun Gott befohlen möchten diese Zeilen Sie u Ihre Lieben wohl finden! In alter treuer Liebe
Ihre Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. ff.
 



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