19.12.2019

Briefe



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ID: 18020 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 19.06.1889
 

Düsseldorf den 19t Juni 1889.
Meine theuerste Clara!
Gern möchte ich Ihnen wieder einen warmen Gruß senden mit der doch guten Nachricht der langsam fortschreitenden Besserung bei unsrer armen lieben Frl. Leser! – Gestern Nachmittag war ich Mal wieder kurze Zeit an ihrem Bett, nachdem ich sie mehrere Tage nicht gesehen hatte! – Sie ist recht matt, liegt still u geduldig mit der fatalen Wunde am Bein u klagt mit Recht, daß sie doch recht viel zu leiden hätte! Aber sie erkundigt sich in alter theilnehmender Art dann gleich nach meinem Mann u all’ den Unsren u freut sich Gutes zu hören! Zum Glück schmeckt ihr das Essen, u sie verzehrte um 6 Uhr einige Erdbeeren mit ½ Glas roth Wein, denn der Doct. besteht darauf daß sie sich besser nähren soll! – Auch Mittags schmeckt ihr die kräftige Bouillon, sorgsam bereitetes Beefst., oder Cottelett oder junger Hase mit leichtem Gemüse! – So hoffe ich arbeitet sich die gute Natur durch – aber natürlich geht die Heilung solcher Rose mit einer Wunde, im Alter sehr langsam u Geduld wird die Arme noch lange haben müssen! Es ist so rührend sie so blind u hülflos im weißen Häubchen u der weißen Decke da liegen zu sehen! – Aber beide Schwestern Jungé sorgen u pflegen trefflich, u bisher wollte die Maria noch durchaus keine andre Hülfe zur Nacht haben. Frl. Leser braucht sie auch nur 1–2 Male! – Gestern Abend müßten Ihnen auch die Ohren recht geklungen haben! Herr Niecks war zum Thee einige St. bei uns, voller Dank daß er Sie einige Male sprechen durfte! Er ist ein feiner gescheuter Mensch, das merkt man in Allem, u so erzählten wir ihm gern Manches aus der schönen Zeit die wir mit Ihnen u Ihrem geliebten Mann einst verlebten! – Auch einige Briefe konnten wir ihm zeigen; u Manuskripte u Briefe von F. Mendelssohn. Möge ihm sein Vorhaben ein ernstes gediegenes Werk über den Theuren zu früh Geschiedenen heraus zu geben, gelingen! –
Ich will Sie weiter nicht mit Lesen aufhalten, hatte nur das Herzens Bedürfniß Ihnen wieder einige Worte über die liebe Kranke zu sagen, u auch wie es uns freute, daß H. Niecks Sie doch wohl u in vollster Thätigkeit u Lebendigkeit fand! – Adio – mein Mann grüßt innigst mit mir! – In treuer Umarmung
Ihr alte Lida B.

Meinen Brief v. Sonnabend d. 15t haben Sie hoffentlich auch richtig erhalten. –

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 378ff.
 



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