15.07.2019

Briefe



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ID: 18022 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 02.08.1889
 

Düsseldf 2 Aug. 89.
Liebste Freundin
Wenn ich Ihnen erst heute auf Ihren so überaus lieben u liebevollen Brief erwidere, so geschieht dies, weil ich mich noch bei einigen Bekannten nach dem A. H. erkundigen wollte, diese aber nicht gleich antraf. Wir wußten, dß er seit sehr langer Zeit theils krank theils verbummelt war, so dß er es nie zu etwas bringen konnte; wie die Meisten dieser unglücklichen Familie, bis auf ein paar Ausnahmen. Dß er hier nie Unterstützung gefunden, ist wohl nicht ganz richtig. Jedenfalls hat er, wie mir glaubwürdig versichert wird, längere Zeit bei einer seiner hiesigen Verwandten [die auch so zu sagen nichts haben] gewohnt u gelebt auf deren Kosten u wir glauben ihm früher auch etwas gegeben zu haben, wahrscheinlich auch Andre. Vor etwa 6 Wochen ist er hier gewesen, um sich etwas zusammenzuschaffen, so auch bei Otto Euler – Nach alledem sind wir der Meinung, dß Sie ihm eine kleine Summe schicken möchten, wenn Sie überhaupt geben wollen, 10, 20 Mk. Es ist Alles ein Tropfen auf den heißen Stein! Bewahren Sie sich Ihre Schätze für einen Fall, wo wirklich etwas zu fördern ist u wo ein Zweck erreicht werden kann.Das ist unsere unmaßgebl. Meinung Sollten Sie sich aber hierbei nicht beruhigen können, was ich Ihrem guten Herzen (das Beste auf der Welt) zutraue, so bliebe Ihnen übrig sich bei dem Vorsteher von Bethel, H von Bodelschwingh, zu erkundigen nach dem A. H. –
Nun Lida’s u meinen Dank für Ihr[e] lieben Briefe u Ihre stete Liebe u Anhänglichkeit, welche aus jedem derselben spricht. Ich brauche nicht zu sagen, wie wir jene erwidern! Ja, wenn man Ihnen nur helfen könnte in der beständigen Sorge u dem Kummer um Ihren Sohn! Möchten Sie in diesem Sommer sich recht erfrischen, um alles Schwere leichter zu tragen u Ihrem herrlichen Berufe mit alter Kraft leben zu können!
Von uns ist zu berichten, dß es Lida besser geht, wenn sie auch noch nicht ganz stark ist. Hier geht Alles auf Reisen. Eulers übermorgen, wie immer, in die Schweiz. Wine wird wohl in wenigen Tagen an die See mit ihrem Sohn u der Mutter, wenn letztere wirklich wohl genug ist. Von unsern Kindern in Kiel u v Hedwig hatten wir gute Nachrichten. Die arme Frl Leser rückt langsam, langsam vorwärts. Wie traurig ist ihr Leben jetzt! Ob wir noch etwas unternehmen ist noch unbestimmt. Und somit leben Sie recht wohl. Meinen herzlichen Gruß an die Kinder, besondere aber an die liebe Marie, Ihren Schutzgeist wie Sie schreiben. Es wird ihr wohl belohnt werden u sie wird den besten in sich selbst tragen.
Gott mit Ihnen!
Ihr
E Bendemann

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 381ff.
 



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