19.12.2019

Briefe



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ID: 18025 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 21.09.1889
 

Düsseldorf den 21t Sept. 1889.
Meine geliebte Clara!
Es ist ein wunderbares Geschick, daß wir nun wieder, wie im vorigen Jahr Ihnen so nahe waren u Sie doch nicht sehen u umarmen konnten! – Aber doch war es uns große Freude Marie zu finden u die schönen Räume mit allen Kunstschätzen zu sehen in denen Sie leben, arbeiten u nach so vielen Seiten wohlthun, – da kann ich mich um so lebhafter zu Ihnen versetzen. –
Hier vorgestern Abend spät angekommen, war dann Ihr lieber Brief noch eine besondere Erquickung, denn natürlich schickte unsre Schwägerin ihn von Loschwitz, das wir Montag früh verließen, gleich hierher! – Tausend Dank für jedes Liebeswort! Daß Sie unsre Bilder, die mein Mann noch mit so großer Freude u liebevollster Sorgsamkeit machte Ihnen wirklich gefallen, ist mir noch eine besondere Freude! – Nun, über Alles so Gott will, bald mündlich mehr! Nehmen Sie sich nur recht in Acht bei dem so frühen kalten Herbstwetter, damit Sie Ihren köstlichen Plan bald herzukommen, ausführen können! – Wie immer sind Sie zu jeder Stunde willkommen! – Aber unsre liebe Fl. Leser werden Sie wohl leider noch liegend u doch etwas angegriffen finden! Länger wie 1 Stündchen muß man nicht bei ihr sitzen, denn auch das Erzählen ermüdet sie, so gern sie an Allem Theil nimmt! – Ich war gestern gegen Abend bei ihr; so gleich nach 7 U. geht sie in’s Bett u nimmt alle Mahlzeiten im Bett, weil ihr das mit einem kleinen Tisch dessen Brett ihr zugedreht wird, am bequemsten ist! – Alle diese Veränderungen empfindet sie selbst ja auf’s Schmerzlichste u macht die Prüfung für die arme Blinde um so härter! – Aber Ihr Kommen wird sie beleben u vielleicht so kräftigen wie nichts Anderes[.] Nun genug, Sie haben ja so unendlich zu thun! Nur noch das Eine muß ich sagen, daß wir Alle in Loschwitz über unsern jungen Kaiser uns freuten, der „die goldene Médaille für Kunst“ als seltenste Auszeichnung Ihnen überreichen ließ! – Solche Ehre gebührte der vielgeliebten u verehrten Freundin u Künstlerin! Nie zuvor bekam eine Frau diese schöne Auszeichnung! – Mit innigstem Gruß u Kuß von uns Beiden Ihre alte treue
L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 386ff.
 



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