19.12.2019

Briefe



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ID: 18026 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 12.12.1889
 

Düsseldorf den 12t Dec. 1889
Geliebteste Clara!
Jedenfalls wären heut unsre treusten Grüße mit allem Dank den wir noch stündlich empfinden für Alles Gute u Erhebende das Sie uns wieder in den wenigen Tagen schenkten, zu Ihnen geflogen! – Nun kamen Ihre lieben Worte, u ich kann also nur wieder u wieder innigst danken! Wir sind gar zu froh daß Sie gut reisten u Schnee u Kälte Ihnen u Marie nicht schadeten! – Zu Frl. Leser fuhr ich Dienstag gegen Abend wo das Thauwetter begann u die Luft viel milder war; wir schütteten gegenseitig unsre Herzen aus über das so schön mit Ihnen Erlebte. Zum Glück schadete der Maria das Ausgehen nicht; sie brachte uns auch gestern Morgen Ihre Karte, denn sie will sich gern durch Luft stärken, u geht gern u rasch einen Weg wenn nicht der raue Wind weht! Den muß sie vermeiden, ebenso wie stärkere Kälte u das wird sie auch thun. Ich ermahne sie immer deshalb; sie war übrigens ganz munter. Eben kommt mein Mann nach Hause u berichtet daß Frl. Leser etwas in der Sonne spazierte, nun schon wieder zu Hause war, als er kam um ihr zu sagen daß auch wir so liebe Worte von Ihnen hätten! – Der Brief des Herrn Direktor Henne scheint uns Beiden so zu verstehen daß er eben früher noch nicht mittheilte es sei doch noch ein Theil der Realschule II Ordnung bei ihnen im Gange, u würde erst nach u nach in ein Gymnasium umgewandelt! – Jetzt, nun Sie wünschen daß die Kinder in eine Realschule kommen, macht er Ihnen den Vorschlag dies sofort für Schneeberg einzuleiten, damit der Knabe keinerlei Unterbrechungen hat! – Da H. Henne so sorgsam u verständig ist u weiß wie Sie wünschen, daß die beiden Jüngeren für’s praktische Leben die richtige Schule durchmachen, würde ich ihm vorerst Alles ruhig überlassen! – Machen Sie sich nicht noch weitere Schreiberei mit einem andern Herrn! Vertrauen Sie getrost dem trefflichen Herrn Henne; er wird sicher ohne Vorurtheil für’s Ideale, die Anlagen der Knaben beobachten u Ihnen zur rechten Zeit mittheilen, wann eine andre Art des Unterrichts einzutreten hat! – Eug. u Sommerhoff’s sollten doch einsehen, wie Sie nur froh u dankbar sein können vorerst die Kinder noch in so trefflicher Obhut nach jeder Richtung zu wissen! – Die haben doch Alle kaum Erfahrung für Kinder-Erziehung u Ausbildung! – Machen Sie sich so wenig Schreiberei wie möglich, u das weiche warme Herz mitunter etwas härter, wenn Sie können; damit Sie heiterer u frischer bleiben! Der Kunst u uns Allen zum Besten! – Mein Mann grüßt u dankt u küßt Ihnen die Hände! – Ich war auch gestern und heut aus u fühle mich Gottlob wohler! – Marie soll sich zu Weihnachten nicht zu viel plagen! Schenkt u schickt Mal etwas weniger! Ich kann auch nicht mehr so viel dgl. thun wie sonst.
Gott befohlen! – In Dank u Liebe Ihre alte treuste L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 391f.
 



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