15.07.2019

Briefe



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ID: 18027 Brieftext


Geschrieben am: Montag 18.06.1888
 

Düsseldorf 18.6.88
Liebe Freundin!
Ihren l[.] Brief vom 16’ erhielt ich wohl wegen des Sonntag erst heute u so eile ich Ihnen zu erwidern, nachdem ich erst noch mit Otto Euler Rücksprache genommen. Eine Bekanntmachung von Ihnen halten wir Beide für nothwendig, des Inhalts, dß Ihre Briefe ohne Ihr Wissen veröffentlicht worden seien u dß Sie eine Erlaubniß zur Veröffentlichung auch nicht gegeben haben würden. (Letzteres nehme ich an). Wir würden hierzu einige vielgelesene Blätter, nicht nur die musikalischen, nehmen. Was den juridischen Punkt betrifft, so ist das Vorgehen Ihres Rechtanwaltes nach Otto’s Meinung ganz gerechtfertigt u wichtig. Ich, der ich in keiner Blutsverwandschaft weder mit Marie W, noch mit H. P. noch mit H Kohut stehe, Letzteren kenne ich als einen schlechten Schriftsteller, so würde ich wünschen, dß Alle drei für ihre Indiskretion u Gesetzwidrigkeit gestraft würden, dß also das [{gerichtliche] Verfahren gegen sie ihren Lauf nähme. Durch Einstellung des Verkaufes u Rückforderung der versandten Exemplare. Ob Sie dazu zu zartfühlend sein werden ist mir zweifelhaft. Ich wage zur Klage nicht zuzureden, obgleich ich nicht einsehe, dß eine solche wesentl. viel härter erscheinen würde, als Ihre obenbezeichnete Bekanntmachung, wenn Sie auch faktisch härter angesehen wird. Wer von denjenigen Menschen, auf die es bei Ihnen ankommt, lesen die Prozesse?
Nun von uns die herzlichsten Grüße. Wir waren 8 Tage in Godesberg was uns Beiden gutgethan hat. Meine Stimme ist gut, aber noch nicht fest. Lida bekommt eine solche kleine Ausspannung immer sehr gut. Sie ist heut Nachmittag nach Duisburg gefahren, um dort die alte Fr. Steinmetz zu begrüßen. Zu Ihrer baldigen Abreise wünschen wir Alles Gute, bes. gutes Wetter u guten Erfolg. Strengen Sie sich aber auch vor derselben nicht zu sehr an. Lassen Sie Ihre Herde, die jungen Genies, etwas allein grasen! Der Tod des Kaisers, der heut in ganz Deutschland, u halb Europa, aufs herzlichste gefeiert wird, ist schrecklich. Gott gebe, dß wir ferner mit Zuversicht u Freude in die Zukunft blicken dürfen. Ich hoffe das Beste. Drei Kaiserinnen! die eben verwittwete ist Ihnen freundlich u hülfreich gewesen, sonst hat sie leider wenig Sympathien zu erregen gewußt. Und somit nehmen Sie vorlieb u lassen Sie sich es nicht noch einmal einfallen mir eine Art von Entschuldigung wegen einer [Anf]rage zu schreiben. Sie wissen dß sich dergl. vonselbst versteht. Uebrigens hatte ich das Buch von Kohut [durch Zusendung] schon in Händen gehabt u wegen des Autor nicht angesehen. Nachträglich habe ich darin geblättert u war erstaunt über die Indiskretion die Briefe der Ernestine zu veröffentlichen. – Jetzt ist ein Buch erschienen von einem gewissen Fellner „Immermann u das Theater in Düsseldorf“[.] In diesem wird Mendelssohn in einer Weise schlecht gemacht, die Alles überbietet; ich hoffe, dß Einer aus der Familie dagegen auftreten kann u wird. Er wird nicht mehr u weniger als ein „Schuft“ genannt!
Marie bitte ich um Entschuldigung dß ich immer versäumte die Photographie aus dem Wintermährchen wieder zuzusenden. Sie erfolgt bald.
Mit herzl. Grüßen
Ihr
E Bendemann

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 358-361
 



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