15.07.2019

Briefe



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ID: 18028 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 20.06.1888
 

Düsseldf 20[.]6.88.
Liebste Freundin
Wie bedauern wir dß Sie [in] eine so große u so unangenehm-peinliche Aufregung versetzt worden sind, nach all’ den Rücksichten die Sie von jeher auf Ihre Schwester u d. A. genommen haben. Aber nehmen Sie die Sache nicht allzu schwer u beunruhigen Sie sich nicht allzusehr! Die Warnung des H K. „es könnten unangenehme Sachen für die Familie Schumann-Wieck zur Sprache kommen“ beziehen sich nicht auf Sie besonders! – Das mag am Ende nur ein Schreckschuß sein. Denn H K. ist ja in manchen Dingen in seinem Rechte nicht klar, da er doch wissen muß dß er dessen Namen auf dem Titel des Buches steht, soviel ich höre, für Alles verantwortlich ist [Ihr Rechtsanwalt wird das gewiß bestätigen, vielleicht auch den H K darauf aufmerksam machen.] u da er nicht einmal gewußt zu haben scheint, dß keinerlei Briefe ohne Erlaubniß der Schreiber veröffentlicht werden dürfen.
Unsere Meinung (ich habe wieder mit Otto E. gesprochen) ist, dß Sie jene Bekanntmachung in einigen Zeitungen veröffentlichen müßten in welcher Sie erklären, dß Sie von der Herausgabe Ihrer Briefe nichts gewußt u eine solche auch nie gestattet haben würden. Sie würden ferner verlangen müssen, dß bei etwaigen folg. neuen Ausgaben Ihre Briefe fortgelassen werden.
Von der Einleitung eines Prozesses würden Sie absehen, wie Sie auch schon in Ihrem Briefe andeuten. So leid mir [es] auch ist, dß jene Leute nicht gestraft werden, so sind doch die Folgen eines gerichtl. Verfahrens nicht abzusehen.
Ich möchte mich gern der Hoffnung hingeben, dß Ihre Schwester nun, wo sie durch H K. über die Sachlage unterrichtet ist, einen vernünftigen u versöhnlichen Weg einschlagen wird.
Und nun nochmals die Bitte, strengen Sie sich nicht zu sehr an, geben Sie sich Ruhe u Muße u beunruhigen Sie sich über die Sache nicht zu sehr. Sie können ein ganz ruhiges Gewissen haben u soviel ich jetzt von Ihren Briefen gelesen habe brauchen Sie sich derselben nicht nur [nicht] zu schämen, sondern ich u gewiß Jeder, wird sie mit Entzücken lesen!
Und somit u mit den herzlichsten Grüßen v Lida u mir
Ihr
E Bendemann.

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 362ff.
 



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