15.07.2019

Briefe



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ID: 1803 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 29.10.1840
 

Leipzig, den 29sten October 1840.
Mein geliebter Freund,
Von unserem Glücke haben Sie vielleicht schon gehört. Daß Sie manchmal im Geist bei uns gewesen, wie wir Ihrer fast täglich denken, will ich zu meiner Freude hoffen, und so sein Sie mir tausendmal wieder gegrüßt auf deutschem Boden. Schreiben Sie uns zuvörderst von Ihren Reiseplänen;
vielleicht, daß sie sich mit den unsrigen vereinigen laßen, daß wir Sie bald wieder sprechen und hören. Es ist noch unsere Absicht nach Petersburg zu reisen, wahrscheinlich schon Mitte [December.] Treffen wir Sie dort? Könnten wir die Rei[se vielleicht zu]sammen machen, oder wenigstens so, daß [wir uns immer] an verschiedenen Puncten träfen? Mich [graust es] vor der grimmigen Kälte, den polnischen Wölffen pp pp Und doch reizt mich auch der Gedanke der Reise wieder. Im Augenblick ist meine Klara krank; doch, hoffe ich, daß sie sich bald erholen wird. Eine Nachricht von Ihnen, ein freundliches Wort wird sie erfreuen; drum schreiben Sie mir bald, Lieber!
Fleißig war ich seit Sie fort sind, sehr, doch wenig im Clavieristischen. Sprechen Sie Cranz wegen meiner Lieder; er kennt noch nichts davon, und ich wünsche, daß er sie m[it] gutem Glauben in die Welt schicke. Von Compositionen von Ihnen ist nichts Neues erschienen, weder das Album, noch die Paganini Etuden. So Vieles hätte ich Ihnen noch zu erzählen; aber die Zeit drängt, und ich will erst eine kurze Antwort von Ihnen abwarten.
Adieu, Adieu. Meine Frau grüßt auf das Herzlichste
und ich bin immer Ihr
treuer
Robert Schumann.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Liszt, Franz (964)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 131ff.
 



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