19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 18030 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 19.10.1886
 

Düsseldorf d. 19t Ockt. 86.
Theure geliebte Clara!
Die schönen Tage mit Ihnen bleiben jetzt als besondere Erquickung in unsrer Erinnerung, denn die große Trauer bei Vautier’s u Euler’s bringt uns nun recht in den Kummer dieses Leben’s! – Tausend innigen Dank möchte ich Ihnen aber vor Allem noch zurufen daß Sie kamen, u daß das Gefühl immer wärmerer u tieferer Liebe u Freundschaft nun noch gestärkt wurde! – Ach! möchten Sie nur nicht zu viele Sorgen durch Ferdinand haben! Nehmen Sie das Unvermeidliche nicht zu schwer, u halten Sie sich recht am Guten das Ihnen Ihre herrliche Kunst u die andern Kinder bereiten! – An Marie den allerherzl. Dank daß sie gleich schrieb u wir Sie gesund u heiter zu Hause angelangt wußten. – Frl. Leser ist auch noch immer ganz glücklich in allen schönen Erinnerungen; ich fand sie gestern recht erkältet u verhustet. Aber beim köstlichen Frühlingswetter heut begegnete ich ihr doch wieder u fand sie viel wohler! – Denken Sie nur daß Frau Vautier schon gestern Abend der schlimmen Lungenentzündung erlag! Sie schlummerte sanft zum besseren Leben hinüber u heut früh kam p. Depesche die Trauerbotschaft die hier die alte so sehr leidende Frau Euler wohl am meisten beugt. Es ist Mal wieder so ein Blitz aus heitrer Luft, u wie der arme Vautier es ertragen wird, der so sehr glücklich mit seiner Frau lebte, weiß Gott allein! – In allem Unglück ist es ein Glück, daß die Tochter Clara Wätjen mit ihrem trefflichen Mann gleich v. Berlin eilen konnten u Trost u Stütze der Kranken waren u nun dem armen Vautier gewiß doppelter Trost sein werden! – Der alte Herr Euler ist so schwach, daß er nicht mehr sprechen kann u doch athmet er noch – aber jede Stunde erwartet man sein Ende! – Für die alte Frau Euler sind alle diese Schicksale am traurigsten, denn sie liegt mit Schmerzen da u ist doch geistig ganz klar u ergeben! – Unser Otto ist auch sehr hart getroffen durch all’ dieses Unglück; er hatte auch gleich keine Hoffnung mehr für die Schwester, die ganz so erkrankte u starb wie der Bruder Eduard im vorigen Jahre! Das sind wunderbare Fügungen! – Verzeihen Sie, daß ich heut so nur von dem Erlebten spreche, aber es ist wirklich gar zu traurig u erschütternd. Mein Mann küßt Ihnen mit mir die Hände, u hält sich tapfer u frisch, war aber in den naßkalten Tagen auch noch mehr erkältet! – Heut erwärmte er sich in wahrer Frühlingssonne! Es war ein köstlicher Tag.
Immer in Dank u treuster Liebe Ihre Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 337f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.