19.12.2019

Briefe



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ID: 18032 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 30.12.1886
 

Düsseldorf d. 30t Dec. 1886
Meine theure Clara!
Ihre beiden lieben Karten zum Weihnachtsfest, u heut zum neuen Jahr haben uns wirklich gerührt u so sehr wohl gethan – denn solche Treue erhebt wahrhaft! Innigsten Dank! – Was wir täglich für Sie u die Kinder erflehen wissen Sie u so kann ich nur sagen: Gott mache es im kommenden Jahr gnädig mit unsern lieben u so herzlich geliebten Schumanns. – An Frl. Leser schrieben Sie im Fest sehr ernste Worte, die ich vollkommen begriff; denn grade empfindet eine so warme u nur dem Höchsten zugewendete Seele wie Sie Alles in Erinnerung, Gegenwart u Zukunft an solchen Tagen doppelt lebendig – Freud u Leid heben u beugen! – Aber ich denke Ihr guter Muth behält doch die Oberhand u das Glück Andern Freude machen zu können hat Sie in den Weihnachtstagen gestärkt; u an schöner Musik wird es zur Erquickung auch nicht gefehlt haben! –
Von Ferdinand erwähnten Sie nichts – so nehmen wir das als gutes Zeichen! – Freilich bleibt die Sorge für ihn u seine Kinder immer ein Druck; aber er wird gemildert, wenn man den Armen nicht zu krank weiß. – Mein Mann hat nach 8 Mal Elektrisiren seine Stimme wieder, was uns Alle mit großem Dank erfüllt; auch sonst ist er leidlich wohl, geht täglich in die Luft u erträgt die Husten-Anfälle mit Geduld, wie Sie es kennen! – Unsre Hedwig u ihr Fritz sind unsre liebste Weihnachtsfreude; sie kamen trotz Schnee u vielen Hindernissen doch noch Freitag Vormittag hier an, müssen aber leider am Montag schon wieder zurück n. Naumburg! Solcher Schulbube von eben 13 Jahren darf keine Stunde versäumen! – Unser heiliger Abend war doch heiter u schön, wenn auch viel Wehmuth zur Seite geht. Aber Gutes u Schönes aller Art gab man sich gegenseitig u selbst Helene schickte hübsche Sachen. Sie hatte bis kurz vor dem Fest noch eine Schwester mit Tochter a. Neapel bei sich, also einen Hausstand von 11 Personen mit viel Arbeit! Aber sie kann jetzt enorm viel leisten u ist nun glücklich in der Hoffnung, daß ihr Mann im Frühjahr heimkehren wird! Gott gebe es! – Gestern hatten wir Brief von ihm, sehr schnell, er schrieb ihn am 3t Dec. auf den Chagos-Inseln (zwischen Ceylon u Zanzibar) er war gesund und hoffte auch sehr auf die Rückkehr! – Frl. Leser konnte in der Nässe wenig heraus, ist aber wohl u theilnehmend f. Alle u Alles. Hedwig war vorgestern noch bei ihr! –
Oft gestört sage ich nun adio u von meinem Mann noch herzlichste Wünsche u Grüße
Immer in alter treuster Liebe umarmt Sie Ihre L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 342f.
 



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