19.12.2019

Briefe



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ID: 18033 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 15.02.1881
 

Düsseldorf d. 15t Febr. 1881
Meine theure Clara!
Unsre Gedanken sind alle Zeit viel bei Ihnen, das wissen Sie, – u doch treibt es mich grade zu morgen besonders unsre wärmsten Grüße zu senden, wo der Tag ist, an dem vor 2 Jahren Ihr geliebter Felix nur all’ zu früh scheiden mußte! – Wir haben ja grade auch im Januar u Februar die schmerzlichsten Erinnerungen, die das Herz oft bluten laßen, u doch auch wieder so erhebend sind, denn wenn nur Gutes u Edelstes im Leben der verklärten Lieben vorherrschten, so wird der Dank sie so gehabt u besessen zu haben doch immer stärken, u der Schmerz mildert sich nach u nach um den großen u schweren Verlust. – Doch verzeihen Sie die trübe Einleitung; vor Allem wollte ich dann doch auch sagen, wie wir uns mit Allem Guten u Schönen gefreut, daß Sie in Leipzig, u noch nachher von dort, erfuhren; ; u wie innig wir wünschen daß es Ihnen in London so recht recht nach Wunsch ergehen möchte! –
Es kamen Briefe, Collekten u Ansprüche Aller Art, daher bitte ich die schlecht gesetzte u ausgestrichene Stelle zu entschuldigen! – Herrn Hiller sprachen wir vorigen Donnerstag nur flüchtig hier an dem letzten Quartett-Abend, wo er sein Quintett spielte, so frisch wie nur möglich; – (aber das Stück ist doch gar zu lang – u -weilig)! – Sonst hätte er uns gewiß mitgetheilt wie sehr er sich auf Ihren Besuch freut. Sie Gute machen doch Alles möglich u thun so recht die alten treuen Freunde zu berücksichtigen. Wo ich irgend kann, nehme ich auch darin, wie in so Vielem mir Sie zum Muster u guten Beispiel. – Gestern Abend war ich bei Frl. Leser, die doch, trotz kleiner Erkältungen, recht munter ist, neulich im Quartett war, u heut auch wollen wir uns in einem Musik-Abend des Dilettanten-Orchester-Vereins treffen. Auch die Maria J. scheint mir jetzt frischer, wenn gleich sie oft recht gelb u schlecht aussieht. –
Bei uns u den Unsern geht es im Ganzen gut; meines Mannes Stimme hält sich trotz etwas Husten, u er ist so mobil u frisch wie immer, geht auch ganz gern mitunter Abends in Gesellschaft.
Unser Fried hatte oft naßkalte Tage u Wind in San Remo; aber dazwischen doch immer wieder gute Luft u Sonne, u er stärkt sich sichtlich u ist gern an der herrlichen Riviera, wo er nun bei besserem Wetter sich noch andre schöne Orte ansehen wird. Von Rudolf haben wir sehr interessante Briefe aus dem Wunderland Egypten, das er bis an die Grenze von Nubien sich beschaute! – So gebe Gott beiden Söhnen Heilung u gesunde Wiederkehr! – Aus Berlin kamen einige Male traurige Andeutungen über J., aber nun ist weniger darüber zu hören, u man glaubt die Scheidung würde nicht sein! Kaum weiß man, was für den Armen J. wünschen! – Wäre er nur klarer u praktischer in Allem, u handelte als ernster Vater für s. Kinder.
Mit herzlichem „Glück auf“ zur Fahrt über „Land u Meer“ – sei es nun genug meine Clara! Viele Grüße den Kindern! Im Geiste Sie umarmend – Ihre treue L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 279-282
 



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