19.12.2019

Briefe



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ID: 18037 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 03.01.1890
 

Düsseldorf den 3t Jan. 90
Meine geliebte theure Clara!
Ja, er ist dahin gegangen, sanft u selig ausgehaucht, freilich nach 2 Tagen mit Schmerzen u einer letzten Nacht mit viel Husten u ohne Ruhe! – Noch kann ich es nicht fassen, daß er nicht wieder eintreten, nicht unter uns sein wird! Aber der Dank fehlt mir nicht, daß ich ihn so lange besessen, daß er mich in Liebe u Geduld so reich gesegnet u daß er so anerkannt u so geliebt u verehrt wurde wie ich es nun in schönster Weise von Nah und Fern höre! Meine geliebte Clara! Ihre Worte hätte ich gern früher beantwortet aber ich hatte ja auch gleich so viel mit den äußerlichen Dingen zu thun! Felix der beste Sohn war schon heut vor 8 Tagen Nachmittags hier u seine Liebe, so wie Otto’s u der Töchter u Enkel alle halfen u umgaben mich so wohlthuend! So bin ich auch ganz leidlich wohl geblieben bei großer Vorsicht. Ach möchten Sie nur die starke Erkältung gut überwunden [haben] von der die liebe Marie schreibt! Erst gestern Abend erhielt ich deren Brief v. 31t. Durch die Neujahrs-Unruhe u BriefMassen, erlangt man Alles ganz langsam! – Das empfinden wir doppelt, da unsre Hedwig Montag Abend mit ihrem Fritz abreiste u ich noch nichts bis heut wieder von ihr weiß! – Sie hatte so doppelt große Trauer durch den Tod ihrer geliebten Mutter! Heut vor 8 Tagen wurde die herrliche liebenswürdige Frau Krüger beerdigt u Sonnabend fuhr dann unsre Hedwig im tiefen Kummer zu uns! Ich hoffe doch, daß Frl. Schön. u Leser’s Ihnen mehr von uns erzählt haben! Freilich macht die böse Grippe überall rechte Störungen; in jedem Haus ist Einer oder Mehrere davon befallen! – Felix hatte sie zum Glück in Kiel abgemacht; seine Helene kam mit Walther Sonntag Abend u fährt diesen Mittag wieder fort! –
Felix bleibt noch bis Dienstag bei uns, denn wir haben so viel zu thun u zu überlegen u so viele Briefe ehrenster Art vom Minister, Akademien, Vereinen, hohen Herrschaften zu beantworten! Mariechen zieht dann zu mir vorläufig! Bei Frl. Leser waren Felix u H. gestern – ich sah sie noch nicht, denn ich konnte noch nicht aus – es war zu kalt! – Heut ist es etwas milder.
Nun bitte ich auch von Herzen um baldige Nachricht, wie Sie Geliebte sich fühlen! Gott mache es doch gnädig! Haben Sie Dank für alle Liebe! Wie viel sprechen wir auch immer von Ihnen!
Immer in treuer Umarmung Ihre tief trauernde
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 394ff.
 



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