19.12.2019

Briefe



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ID: 18038 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 15.04.1890
 

Düsseldorf den 15t Apr. 1890.
Beste geliebte Clara!
Mit dankbarer Freude hörten wir so von Herzen gern, daß Sie doch eine Fahrt n. Baden-Baden unternehmen konnten u Luft u Wasser für den Husten heilsam waren! Und nun kommen Ihre lieben wohlthuenden Worte vom Freitag – innigsten Dank dafür; freilich klagten Sie darin über eine neue Erkältung; aber wir hoffen, daß diese schnell vorüber ging, u möchten nur dabei bitten nicht zu rücksichtsvoll gegen die Freunde zu sein. In einem kalten Raum dürfen sie nicht bleiben, da müssen Sie in aller Güte wieder davon gehen – wirklich gute Freunde sollten doch auch immer die natürliche Rücksicht haben für ihre Gäste u besonders wenn Sie Liebste Theure es sind! Warum Sie in Bonn abschrieben, haben Fl. Leser u ich uns hauptsächlich wegen Ihrer Gesundheit gedeutet, u eben daß so mehrere Tage hintereinander zu anstrengend sind; außerdem sind da im Mai gerade noch die kalten Tage u die Witterung meist noch sehr wechselnd. Daher wir Alten wohl kaum schon Reisepläne machen dürfen! – Aber ein Wiedersehen hoffe ich sicher in den nächsten Zeiten, denn bei Allem tiefsten Weh wird es doch so schön sein! – Jetzt ist ein junger Heinrich Hübner, der 2te Sohn des Prof. Emil H. aus Berlin, mein lieber Hausgenosse geworden; er besucht die Akademie als angehender Maler, ist also ein guter Kammerad [sic] für Ed. Euler u für mich so wie ein lieber Sohn mit dem ich ganz ungeniert verkehre! – Er wohnt in dem Zimmer unten, ist daher ganz still für sich wenn er es wünscht, u wird auch hin u wieder das Atelier benutzen in dem ja vorläufig Alles fast so bleibt wie es immer war! – Ende dieser Woche kommt meine Schwiegertochter Hedwig für 8–10 Tage zu mir, was wir uns gegenseitig längst wünschten; aber da sie ganz beim Vater im Hause ist, u dort mit für 2 Brüder u eine junge Schwester zu sorgen hatte, jetzt in den Ferien auch ihren Fritz dort hatte, so war es bisher noch unmöglich trotz des gegenseitigen großen Verlangen’s. – Nächsten Sonntag wird unser Enkel Herrmann hier eingesegnet u da ist Hedwig gern dabei, – die beiden armen jungen Mütter mit den einzigen Söhnen haben doppelte Theilnahme für diese! Später im Mai kommt wohl auch Mariechen Hübner her, die Schwester dieses Heinrich, ein sehr nettes Mädchen von 22 Jahren, recht musikalisch so daß das Musikfest zu Pfingsten außer der alten Tante u dem Rhein, den sie nicht kennt, anzieht! – Auch wünschen die Eltern, sie ist die einzige Tochter, daß sie Mal einige Wochen wo anders lebt! – So habe ich durch die Liebe u Theilnahme Vieler doch immer Trost u Erhebung! – An eine Reise denke ich vorläufig nicht, denn auch Manches Geschäftliche hält mich hier! Und so lockend Ihre liebevolle Einladung ist theuerste Clara – jetzt scheint es mir noch unmöglich hier aus dem Hause zu gehen! – Aber ich hoffe auch zu sicher, daß Sie u Marie sobald es Ihnen möglich ist, herkommen – Sie wissen Ihr Zimmer ist immer bereit, u wenn Sie auch das theuerste vielgeliebte Haupt nicht mehr finden – Gott wird uns im gegenseitigen Beisammensein Trost u Stärkung schenken! –
Vor Allem schonen Sie sich nur recht! Ach! u möchten Sie nicht zu viel Sorgen durch Ferdinand haben
Bei Frl. Leser war ich gestern 1 Stündchen; sie ist ganz munter u auch Maria J. ist es zu unser Aller Freude! In Kiel geht es gut! In treuster Liebe immer Ihre alte L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 403ff.
 



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