19.12.2019

Briefe



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ID: 18040 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 11.09.1892
 

Düsseldorf d. 11t Sept. 1892
Meine geliebteste Clara!
In der frohen Aussicht Sie bald zu umarmen u dann alle Wünsche mündlich zurufen zu können, will mir die Feder heut so garnicht behagen! Aber doch müssen Sie es lesen, daß ich im Geiste Dienstag so recht besonders viel bei Ihnen sein werde u von ganzem Herzen das Beste für Sie Theure erflehe! –
Hoffentlich konnte Eugenie kommen u Sie sind nach wiedergekehrter Genesung in Dank u Liebe vereint. Möchte nach den kühlen u naßen Tagen uns nun noch schönes September Wetter beschert werden, damit die Rückreise in keiner Weise Ihnen u Eugenie schaden kann, u Sie unbehindert bald hierher gelangen! – Ich kam gestern Nachmittag zurück, blieb einige St. in Leipzig bei Frau Howard, sah mit ihr das neue Denkmal v. Mendelssohn u war Abends in Naumburg bei Fr. Dr. Götze der sehr lieben Schwester meiner Schwiegertochter geb. Krüger, einer frischen begabten Frau die auch schon lange Wittwe ist! – Ihre 5 Kinder erzog sie trefflich. Gottlob verließ ich meine alte Schwägerin Hübner im besten Wohlsein – der Abschied ist immer schwer, denn sie ist mir wirklich die liebevollste Schwester u dabei so ein Beispiel von schönster Ergebung u Zufriedenheit u Theilnahme für Alles – Frau Preußer besuchte ich auf dem weißen Hirsch, grade als sie die schwere Trauerkunde von ihrer Caroline erhalten hatte! Aber nach den ersten schmerzlichsten Worten, wurde sie ruhiger u wir sprachen ernst u ergeben über Alles Schwere was wir zu tragen haben – dann aber auch dankbar für Alles Gute. Natürlich sprachen wir auch viel von Ihnen, das können Sie denken!
Bei Frl. Leser war ich vorhin ein paar Stunden u wir haben uns in behaglichster Weise Alles Erlebte gegenseitig erzählt. Natürlich wird sie ja auch älter, aber doch sieht sie noch ruhig u gut aus u hat auch die treue Theilnahme für Alle. Beide Schwestern Jungé waren auch ganz wohlauf! – Noch bin ich allein, alle die Meinen kehren erst im Lauf der Woche zurück; Gottlob hatte ich immer gute Nachricht.
Mit innigstem Gruß, auch für die Töchter küßt Sie Ihre treue L. Bendemann

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf.
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 439f.
 



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