19.12.2019

Briefe



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ID: 18041 Brieftext


Geschrieben am: Montag 10.10.1892
 

Düsseldorf den 10t Ockt. 1892.
Meine herzlich geliebte Clara!
Diesen Morgen fuhr ich schon vor 10 Uhr zur liebsten 80jähr. Geburtstägerin, um sie wenigstens ¼ St. in Ruhe zu sehen ehe der Strom der Gratulanten begann! Das gelang mir auch; u ich fand sie munter aber doch sehr weich gestimmt durch alle Zeichen der Liebe, die nun schon in Briefen u Gaben vorhanden waren, u wovon sie sich doch bedrückt fühlt; so geht es uns ja Allen im Alter u an solchen Tagen! – Meine Schwägerin Hübner die neulich 83 Jahre wurde, schrieb mir auch: „ich wäre am liebsten still eben in meinem Zimmer geblieben“. Sie sehen daraus beste liebe Clara, daß es mir wieder besser geht, ja fast ganz gut, wenn ich mich vorsichtig halte u natürlich im Sturm u Regen dieser Tage nicht ausgehe, höchstens fahre! – Und so bitte ich denn sehr, daß Sie nun Ende dieser Woche herkommen u bin Herrn Sommerhoff unendlich dankbar, daß er Sie hergeleiten will! – Sie wohnen ruhig bei mir, wie immer u nehmen in Nachsicht vorlieb; Trine ist noch im Krankenhaus, bessert sich aber langsam. Ich habe seit gestern eine ältere Schwester von ihr hier, die mit Jettchen zusammen uns schon ganz gut versorgen wird. Frl. Schön. war seit 8 Tagen fort in Cöln u Mehlem, daher gänzlich verstummt; aber ich denke, sie wird nun zurückkehren u dann gern mit Ihnen bei mir sein! – Vielen Dank für die lieben Worte v. 6t den Ihnen schon Frl. L. aussprach; ich las heut natürlich mit ihr die eben erhaltenen Briefe u wir ersahen leider aus Marie’s daß Sie auch nicht so in Ordnung waren wie es sein sollte. Diese ersten kalten Tage brachten überall etwas Erkältung u kamen nach den schönen milden Wochen gar so plötzlich u so recht unangenehm! Hoffentlich sind Sie das lästige Übel schnell wieder los; auch hoffe ich, daß das Wetter sich nach allem Stürmen u Regen wieder bessert. Jetzt Nachmittag waren doch schon 10 Gr. Wärme! Gestern nur 7 Gr. Da es so häßlich u kalt war, nun Sie nicht kamen, war uns dies eine Art Beruhigung – denn Sie hätten es hier jetzt zu naß u trübselig gehabt! – Schade, schade, daß Sie in der letzten Sept. Woche nicht konnten, wo es so schönes Wetter, u hier Alles bereit war! – Doch, das ist vorbei! Basta! – Hoffen wir nun auf baldig Sehen! Schreiben Sie nur einige Worte ob Sie Freitag oder Sonnabend kommen wollen u zu welcher Stunde bitte bitte! Gottlob daß Eugenie gut n. London kam, das freut uns so sehr! – Mein Felix schreibt mir, daß er jetzt einige Wochen Urlaub erhält, u gern n. Berlin u hierher möchte, wo möglich mit Helene, sind die Kinder gesund. [Felix konnte in diesem Jahr noch garnicht herkommen, so stramm war der Dienst] So würden sie in der letzten Okt. Woche hier sein können! – Also meine theure Clara, können Sie am 14t oder 15t, so können Sie gut 8–10 [?] Tage mein lieber Gast sein! – Möchte nun Alles gelingen. Gott gebe es! – Frl. L. schreibt morgen!
Ach! Könnte ich Sie mit so recht sanften Lüften her zaubern! –
Marie später auch zu sehen, ist schönste Aussicht. Ade u auf Wiedersehen! Ihre treuste
L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 442ff.
 



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