19.12.2019

Briefe



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ID: 18046 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 24.01.1890
 

Düsseldorf d. 24t Jan. 1890.
Geliebteste Clara!
Ihre rührenden u so wahrhaft wohlthuenden Worte, die Sie mir noch aus dem Bett schrieben, las ich oft in Dank u Erquickung! Ach ja, Sie haben ihn geliebt u erkannt in der ganzen Reinheit seines Streben’s u Denken’s u Lebens, u fühlen mit mir, wie ich nun als schwaches Rohr ohne diese liebevollste Stütze erst nach u nach den stillen Weg weiter zu wandern lernen muß! – Gottlob, daß ich heut durch Maria J. erfuhr, Sie seien wirklich frei von Husten u wieder unten im Wohnzimmer; bei rechter Vorsicht wird die böse Grippe also hoffentlich bald überwunden sein u wir wollen danken u wieder danken daß es so ist! – Aber überall trat sie auf. Auch meine Schwägerin Hübner war 2 Tage sehr unwohl, hustete dann viel, so daß der älteste Sohn a. Berlin schnell zu ihr eilte, doch Alles beruhigte sich glücklich u sie hat mir gestern wieder einen längeren Brief geschrieben, in alter Theilnahme u Lebendigkeit! Daß wir im Sept. noch bei ihr waren, ist ihr großer Trost u wahre Freude[.] Hier sind bis auf Fr. Erdhütter Alle wieder wohl; sie fieberte länger u mußte wegen Seitenschmerzen 3 W. im Bett sein, u unser gutes Mariechen versorgte Alles. Noch kommt sie Abends immer zu mir als große Beruhigung, u ½ 9 U. nach dem Frühstück geht sie am Morgen dann nach Haus; glücklicher Weise blieb sie ganz wohl u läuft tapfer durch Wind u Regen. Heut war endlich ein ruhigeres Wetter mit etwas Sonne, so daß ich auch etwas im Hofgarten umher ging, u möchte mich gern wieder an die Luft gewöhnen! Ohne Husten bin ich nicht, aber im Ganzen doch kräftiger u ruhiger u schlafe auch wieder besser! – So muß man dankbar sein. Frl. Leser sah ich erst 1 Mal, denn sie konnte nicht her u ich nicht zu ihr, schon weil das laute Sprechen mich angreift. Aber die Maria J. sagt mir, Frl. Leser sei sehr munter u ich denke nun nächstens wieder zu ihr zu gelangen! Die Elise war noch still zu Haus, denn die Grippe machte sie auch matt! – Die Maria befrug der Doct. Keimer der ihr den Hals sorgsam untersuchte u Mittel gab; sie darf vor Allem nicht lesen u soll sich durch Luft u gute Nahrung stärken! – Frl. L. muß durchaus früh 1 St. eine Vorleserin nehmen! – Daß Fl. Schön. auch Grippe hatte, wissen Sie gewiß, u lag sie bei Frl. Maaßen die sie rührend pflegte, nun ist sie wieder bei sich! – In Kiel sind unsre Lieben wohl u der lebhafte Briefwechsel mit ihnen meine große Freude! Es gibt ja so viel unvermeidlich Geschäftliches! –
Paradies u Peri wurden hier gestern recht gut ausgeführt, wie mir Fr. Herbst erzählt[.] Zur Mühlen u das Ehepaar Schmidt hätten schön gesungen. Bitte wenn Sie Stockhausen sehen danken Sie ihm sehr für seine lieben theilnehmenden Worte!
Ade geliebte Clara, bleiben Sie mit Ihren Lieben gnädig beschützt[.] Mit warmem Kuß
Ihre trauernde L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 397ff.
 



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