19.12.2019

Briefe



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ID: 18051 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 12.09.1894
 

Düsseldorf den 12t Sept. 94.
Meine theure geliebte Clara!
Am Vorabend Ihres schönen Festtages bin ich in meinem stillen Zimmer so ganz ungestört mit den warmen u innigsten Wünschen an Ihrer Seite! – Wie viel Liebe u wie viel Dank fühlen wohl Alle Alle die Sie verehren, u denen Sie unendlich oft Gutes in Tönen, in Worten u in Liebesbeweisen aller Art angethan – und doch können Alle nur zu dem Höchsten rufen u flehen: „Gott erhalte noch lange lange die liebe, die vielgeliebte Geburtstägerin![“] Hoffentlich sind die Folgen des bösen Falles bis morgen ganz beseitigt u Sie sind so heiter u froh, umgeben von den theuren Kindern, dem lieben Enkel u der liebenswürdigen Frau Vondermühlen, wie ich es mir nur zu gern vorstelle! – Unser Schrecken war groß bei der Nachricht von dem Mißgeschick, das das Pferd Ihnen brachte, aber um so dankbarer las ich bei Frl. Leser die Karte mit den besseren Nachrichten! – Meine alte Schwägerin verließ ich am Freitag so munter u thatkräftig wie immer, denn selbst die vielen naßkalten Tage, brachten ihr kein Unbehagen, während ich mich mit mancherlei Erkältung durchzuschlagen hatte! – Der Sommer ist in Deutschland traurig, denn man muß heizen, u so beginnt der lange Winter all zu früh.
Von Joachim hörte ich a. Göttingen u Lauenstein Gutes; auch daß er mit Rudorff musizierte, dieser also viel wohler ist, was Alle sehr freute. Man hofft wieder im Ockt. auf seine Thätigkeit an der Hochschule. Frau Preusser sah ich leider nicht, da starkes Nasenbluten sie recht schwächte, sie mußte sich ganz ruhig verhalten – hatte dann aber doch endlich ihre Luise bei sich. Die Krankheit des Sohnes hatte die liebe Frau auch so sehr angegriffen! – Sie hat ein trübes schweres Alter, was Einem furchtbar leid thut! – Mein Felix ist eben mit vielen Schiffen vor Swinemünde zu großen Manövern u Gottlob immer frisch. Helene geht es besser, aber noch ist das Übel nicht ganz fort. Doch trägt sie es mit Muth u ist frisch u dankbar wieder zu Hause [zu] sein! Doch genug – verzeihen Sie das Geplauder in das ich unwillkürlich falle wenn ich mich so zur geliebten immer theilnehmenden u treusten Freundin versetze! – Innigst Sie in Gedanken küssend
Ihre immer dankbare u getreue
L. Bendemann

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 490ff.
 



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