19.12.2019

Briefe



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ID: 18055 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 10.02.1895
 

Düsseldorf den 10t Febr. 1895
Innigsten Dank meine theure Clara für Ihre Karte mit dem Glückwunsch zu meines Felix Beförderung zum Contre-Admiral! Aber, ehe ich dazu die gewünschte Erklärung gebe, lassen Sie mich nur die Hoffnung aussprechen die Kälte möchte Ihnen u Ihren Lieben nicht schaden u Sie bei nöthiger Vorsicht doch gesund bleiben! Es ist ein harter Winter, u das entsetzliche Unglück mit der „Elbe“ u Manches sonst Schwere mit meiner Nichte Schadow u. A. machten die letzten Wochen ziemlich unbehaglich! Denn natürlich konnte ich seit 14 Tagen nicht heraus, sah unsre liebe Frl. L. lange garnicht u will nur heut, sehr eingepackt zu Tisch zu Euler’s fahren, da meine Köchin um Urlaub bat nach außerhalb! – Indeß soll das Alles keine Klage sein, denn wie schwer haben es so Viele, u wie gut geht es mir, wenn ich mich in Acht nehme; u wie dankbar bin ich für die Liebe der Kinder u Enkel u treuer Freunde! – Gratulationen kommen hier, u brieflich, u in Depeschen von Nord u Süd u Ost u West kann ich wirklich sagen! – Die Stellung des Contre-Admiral ist in der Marine die gleiche wie die des General-Major in der Land-Armee. Also der Beginn zu den höchsten Stellen in der ganzen Verwaltung. Es kommt dann noch Vice-Admiral u schließlich wirklicher Admiral (Excellenz) u zuletzt: der Höchst-Kommandierende, also ein Marine-Minister! Natürlich gehört zu dem Allem große u erprobte Erfahrung der Schiffahrt mit Segeln, Maschinen, allen Beobachtungs-Instrumenten u Messungen; Ausbildung der Matrosen, Kadetten, Offiziere, Ingenieure u Vieles Vieles. Gute wissenschaftliche u sprachliche Kenntniße. Jetzt ist mein guter Felix Inspecteur des ganzen Torpedo-Wesens; da sind die Werkstätten u Schiffe überall vertheilt von Wilhelmshaven bis Danzig-Pillau, u er muß oft Hin u Herreisen,[Natürlich hat er dabei unendliche Beamte u Arbeiter u muß das Alles kontrollieren] kann aber in Kiel wohnen bleiben! Eben schreibt er mir nach guter Heimkehr von Stettin u Danzig u Berlin; er mußte sich beim Kaiser melden in der neuen Würde; Gottlob fand er Frau u Kinder wohl. Sein Walther, der Älteste, macht jetzt sein Abiturienten Ex., u ist mit dem Schriftlichen fertig; wie er hofft gut! – Meine Hedwig a. Berlin schreibt von hübschem Diner bei Wildenbruch’s! Joachim saß ihr gegenüber u ließ sich in alter Treue von mir erzählen; u sprach später noch mit ihr von den herrlichen Erinnerungen an meinen Mann!! – Auch H. v. Herzogenberg war da, sprach ebenfalls mit ihr von uns u dem theuren Rudolf den er ja in Berchtesgaden 1879 so viel sah u [der] mit ihm viel spaziren ging! – Meine liebste Wine hier ist tapfer u schnell, weil sie jetzt grade für 4–5 Wochen fort konnte, allein nach Nizza gereist, wo sie Geschwister traf, u gern mit ihnen bis Florenz u Rom möchte, ein lang gehegter Wunsch! Sie blieb 1 Tag in Pegli u schrieb mir von dort gestern so schön u rührend, wie sie Rudolf’s Grabstätte besuchte u in aller Wehmuth sich doch an der Landschaft u allen schmerzlichen Erinnerungen erbaute! Sie spazirte ein paar St. die Berge entlang; die Luft war frisch aber gegen hier doch frühlingsmäßig! – Sie ist eine feine Seele nur zu bescheiden. In Mentone hat sie ja ihres Ernst Grab! – So habe ich die verschiedensten Anregungen von allen Seiten u das hält doch Herz u Geist aufrecht, u ich kann nur wieder u wieder danken!
Ein recht egoistischer Brief werden Sie sagen meine Clara! Aber der geliebten Freundin schütte ich gern das Herz aus.
Mit den wärmsten u herzlichen Grüßen umarmt Sie im Geiste Ihre alte treue
L. Bendemann

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 505ff.
 



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