19.12.2019

Briefe



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ID: 18058 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 03.04.1895
 

Düsseldorf den 3t April 1895.
Meine theuerste Clara!
Ihre lieben Worte heut Vormittag waren mir natürlich eine freudige Überraschung! Und dann aber kam das ruhige Besinnen, wie daß bei dem abermaligen rauhen Wetter, das leider nach 2 besseren Tagen heut wieder Alles so grau u winterlich macht, das Kommen für Sie hierher mir ängstlich ist! Wir hatten uns so sehr gefreut, daß Sie Mal im wirklichen Frühling hier sein könnten u Pfingsten es dann hoffentlich warm u behaglich für uns Alte Alle im Verkehr wäre! Man wird so etwas muthlos bei dem langen Winter u wo überall Influenza u Krankheit herrscht – daher wohl auch meine Sorge! – Aber freilich, fühlen Sie sich wohl, u scheuen die verschiednen Temperaturen der Zimmer u. s. w. nicht, so wäre es ja herrlich, wir hätten Sie u Marie bald hier. –
Meiner Kinder Kommen ist noch unbestimmt; aber sie hoffen Ende nächster Woche es möglich zu machen! Ein 8tägigen Urlaub erlangte mein guter Felix; aber da kamen ungeahnte Dienstsachen, sogar eine Reise nach London u so verschob sich das Ganze! – Also dies ist keine Störung meine theure Clara, u wie würden sich Beide freuen Sie u Marie hier wieder zu sehen! –
Seit 10 Tagen ist meine Nichte Fr. Prof. Kaibel geb. Schadow a. Strassburg hier bei den armen 2 kl. Schadow’s, deren Mutter so ernst erkrankte u die längerer Kur in einer Anstalt bedarf – Da sind die schwierigsten Verhältniße zu ordnen, die Haushaltung aufzulösen, da wenig Mittel vorhanden; u so ich u die Meinen seit Neujahr eigentlich schon immer in Besprechungen – Hilfe aller Art thätig. Diese Nichte Kaibell steht mir sehr nahe, ist also nebst den 2 Kindern viel bei mir, aber auch Mal bei Euler’s, u reist nun mit den Kindern am Sonnabend n. Strassburg, für die Ferien! – So bin ich also von Sonnabend an allein bis so Gott will F. u H. vor Ostern kommen! Ich erwähne das Alles, damit sie wissen wie es bei mir ging u geht, u daß nur Freude mich bewegt im Gedanken: Sie kommen! Aber natürlich auch die Sorge Ihrer Gesundheit u des bösen Wetters.
Frl. Leser war Montag z. 1t M. etwas aus u im Ganzen doch munter!
Auf Wiedersehen, so Gott will, in nächster Zeit oder etwas später!
In alter treuer Liebe Ihre Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 512f.
 



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