19.12.2019

Briefe



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ID: 18062 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 07.06.1895
 

Düsseldorf den 7t Juni 1895.
Geliebteste Clara!
Ja, das waren schöne Tage u Stunden die Sie u Marie mir bereiteten, u meine Räume kommen mir in diesen Tagen noch fast wie geweiht vor – als müßte ich Ihre Stimme hören u früh Ihr liebes Gesicht zur Thüre herein kucken sehen! Es war zu rührend gut, daß Sie kamen u es ist ein Geschenk Gottes daß er Sie Ihren Kindern, der Kunst u uns so erhält! – Möge er noch lange lange Alles Leid verhüten u uns bald ein Wiedersehen schenken! – Innigsten Dank für Ihre Worte gestern, die neben Allem Guten den entsetzlichen Schreck über den plötzlichen Tod Ihres Freundes Dr. Fiedler brachten! Wie Sie das betrübte u wie Sie der armen armen Frau im tiefsten Mitleid gedenken, fühle ich ganz mit! Das ist Mal wieder ein so besonders grausiges Geschick; unsre Zeitung brachte das Nähere darüber, u ich weiß nun ja auch wie künstlerisch Ihr armer Freund begabt war! – Täglich muß man bereit sein, Leid u Freud zu hören u im rechten Sinn zu tragen! Aber das ist doch oft sehr sehr schwer! Zu Frl. Leser eilte ich vorgestern gegen Abend, u wir lebten miteinander nur mit Ihnen u den wunderbaren Tönen mit denen Sie uns Erhebung u Genuß so selten schön schenkten! – Ach! theuerste Clara, lassen Sie sich nur durch die Freude immer noch so in herrlichster Weise thätig sein zu können recht stärken, u scheuchen Sie damit Alles Trübe u Schwere fort! – Eben hatte ich Brief von meinem Felix, der in ernster u vielseitiger Arbeit doch immer frisch ist u mir am Dienstag Nachmittag n. Altona entgegen kommen will. Und so denke ich denn am Dienstag 11 Uhr hier abzufahren u freue mich im gemüthlichen Hause bei Kindern u Enkeln, so Gott will, wieder einige Wochen leben zu können. –
Gestern feierten wir Otto’s Geburtstag, er wurde schon 60 Jahr u ist dafür doch sehr frisch u enorm thätig; ein treuer Rathgeber in allen Dingen wofür ich nicht dankbar genug sein kann! –
Vielleicht ist Marie so gut mir n. Kiel nur p. Karte zu sagen wann Sie reisen? u wie die Addr. in Interlaken ist? Und so denn adio! Hoffentlich bleiben Sie leidlich wohl u wir sehen uns bald wieder! – Verzeihung für den unsaubren Brief, die Tinte wurde schlecht.
In Dank u innigster Liebe Ihre treue L. Bendemann

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 522f.
 



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