19.12.2019

Briefe



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ID: 18065 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 12.09.1890
 

Kiel den 12t September 1890.
Meine geliebte Clara!
Heut ist der Tag der Sie u den theuersten Mann am Altar für Zeit u Ewigkeit, in seltener schönster Liebe, vor jenen 50 Jahren, verband! Gott Dank daß Sie ihn von der Kinder Liebe umgeben erleben, u morgen Ihren Geburtstag hoffentlich im besten Wohlsein feiern! – Ach! wie viele verschiedene Gefühle uns an solchen Tagen durch Herz u Seele ziehen weiß ich nur zu gut; u treu bin ich an Ihrer Seite im Geiste u bitte daß Sie den Ihren u uns Allen noch lange lange in gewohnter Frische erhalten bleiben! – Felix u Helene senden mit mir innigste Grüße u Glückwünsche! Ersterer überraschte uns gestern Abend mit seiner Rückkunft auf’s Köstlichste, denn nach letzter Depesche konnten wir ihn erst heut erwarten! – Aber Regen u Wind hatten die Herren Admirale veranlaßt ihre, fast zu gründlichen Inspizierungen aller großen Schiffe, abzukürzen, u so kam die ganze Manöver-Flotte gestern Abend schon in den Hafen! – Der geliebte Sohn hat alle schwere Arbeit in den 5 Monaten bewunderungswürdig gut durchgemacht u viel Anerkennung u Glückwünsche vom Kaiser wie von allen hohen Behörden u den Kammeraden geerndtet. Auch den Kronen-Orden 2t Kl. eine schöne Auszeichnung die er wohl verdiente! (doch dies nur unter uns!) Sie wissen, daß Felix eine so ernste u bescheidene Natur ist, u so treu seine glücklichen Gaben dem schweren Beruf u dem Vaterland widmet, grade wie sein vielgeliebter Vater, daß da die äußeren Dinge wohl dankbar beachtet werden, aber ihn in keiner Weise in seiner natürlichen gewohnten Art ändern! – Ich bin seit Montag Abend hier, recht die alte Henne unter den lieben 6 Enkeln die Alle gesund u frisch mich umgeben! – An Sorgen fehlt es in der Erziehung der beiden
ältesten Knaben nicht, aber immerhin sind es gut beanlagte Kinder, u so hoffe ich, sie werden Alle brave Arbeiter. Helene ist immer durch viel Kopfweh, Nacken- u Rückenschmerzen geplagt, aber doch die treu sorgende Mutter u Hausfrau! – Jetzt versucht sie seit längeren Wochen es auch mit der Massage. Doch, Verzeihung; Sie haben so viel zu lesen u ich plaudere da so hin, als säße ich bei Ihnen! – Ach möchten Sie bald zu uns kommen können u wir uns über Alles so recht treu aussprechen! –
Vielen Dank noch für die letzte Karte a. Salzbergen! – Eben schickt mir Frl. Leser gute Nachricht u Ihre Addresse: „postlagernd“. – Hoffentlich finden Sie gute Zimmer u es bekommt Ihnen das schöne Baden so recht recht gut!
Ich bin Mittwoch d. 17t wieder zu Haus! Mit warmem Kuß Ihre alte
Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Kiel
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 411f.
 



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