19.12.2019

Briefe



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ID: 18066 Brieftext


Geschrieben am: Montag 29.09.1890
 

Düsseldorf d. 29t Sept. 1890.
Das waren schöne erquickende Stunden meine geliebte Clara die Sie mir geschenkt u die lange lange wohlthuend nachwirken! – Denken Sie daß es mir immer klarer wird, wie unendlich Ihre Liebe u treuste Freundschaft doch ist, daß Sie Frl. Leser u mir zur Freude u Stärkung die Reise bis hierher machten! – Der gewöhnliche Dank genügt da nicht. Sie müssen es fühlen wie wohl Sie gethan haben, u wie stolz wir nun eigentlich sein müßten! – Ihre warmen Worte gestern gaben dem stillen Sonntag so am Morgen, als ich eben Evangelium u ernste Betrachtungen gelesen hatte, einen freudigen Strahl. Auch dafür Dank! – Ach! möchten Sie nur recht recht wohl sein, sich nicht mit zu viel sorgenden Gedanken plagen! – Mein Mann würde sagen „laßen Sie die Kinder selbst nun nach Ihrem Beispiel handeln“ u thun Sie nicht mehr des Guten zu viel! – Den Töchtern herzlichste Grüße, u die Bitte auch die äußeren Dinge so ruhig u leicht wie möglich zu nehmen, u sich recht des Guten, des Edlen das die Kunst u Vieles in Ihrem lieben Hause bringt zu erfreuen, u daran zu stärken gegen die kleinen Kämpfe! – Frl. Leser war gleich am Sonnabend u auch gestern bei mir, sie ist sehr munter, aber durch die Nachricht v. Michels daß sie 1t April ausziehen muß oder sehr viel Miethe zahlen beunruhigt! Natürlich rede ich auch da zu sich nicht mit Grübeleien zu quälen – es wird schon noch passende Wohnung zu finden sein! – Ich habe mit Ed. Euler viele Listen geschrieben; viele Kunstsachen, Bilder – Studien dem Packer übergeben u mit den Herrn d. National-Gallerie zu correspondiren. Hoffentlich wird die Ausstellung eine würdige u für die Jugend besonders eine lehrreiche; auch für andre Menschen die sehen u nachdenken wollen eine schöne u anregende! – Meine Enkel Walther u Eduard a. Kiel kamen gestern Abend u sind mir liebe Gesellschaft; an Beschäftigung aller Art fehlt es nicht! – Otto war 2 Tage in Münster; so wie ich ihn sehe, bestelle ich Ihre Grüße!
Gott mit Ihnen u uns Allen!
In treuer Liebe küßt Sie Ihre alte Lida B.
Der liebe herrliche Howard starb schon am 25t d. M.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 413f.
 



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