19.12.2019

Briefe



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ID: 18067 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 28.02.1890
 

Düsseldorf den 28t Febr. 1890.
Meine geliebte Clara!
Wie wohl Sie mir mit allen lieben Worten heut u vorgestern gethan, muß ich doch gleich mit innigstem Dank aussprechen! Ach! Wenige fühlen so tief u warm mit mir, u ist es mir als wären wir nun im Kummer noch fester verbunden als sonst, u als müßte ich zu Ihnen fliegen u Sie umarmen können! Im Geiste thue ich es oft u wünsche mir so von Herzen, daß Sie bald wieder ganz wohl wären! – Diese häßlichen Unterleibsleiden sind so angreifend; ich weiß sehr wohl wie Sie vor langen Jahren von Cöln wiederkamen u bei Wendelstadt sich so von unten her im kalten Eßzimmer erkältet hatten! Aber Gottlob ging es doch schnell vorüber u ich hoffe, Sie sind heut [auch] schon ohne Schmerzen! – Mein Felix ist seit Mittwoch früh hier in treuer Liebe u Hülfe mich umgebend; u hat im Atelier, so wie auf dem Speicher, wo viele Cartons aufbewahrt stehen von den großen Arbeiten im Dresdn. Schloß, in Naumburg, Berlin u hier sich doch eine Übersicht nehmen können! – Ein liebenswürdiger Neffe: Rud. Hübner, junger Referendar a. Berlin der oft längere Wochen bei uns war, ist auch gekommen u bleibt noch 1 Woche um Vieles durch zu sehen u zu notieren! Er ist sehr gescheut u liebte meinen theuren Mann zärtlichst! – Felix muß leider morgen Mittag fort; er kam über Danzig u Berlin, wo er überall zu thun hatte, u sind wir froh, daß er bei dieser Reise doch noch zum heutigen Tage herkommen, u als treuer Sohn der ernsten Feier beiwohnen kann! – Die Aula der Realschule die ja Bilder von meinem Mann enthält, ist ein niedriger Raum, u wird durch den ernsten Schmuck, feierlichen Gesang u Reden gewiß Allen Anwesenden einen ergreifenden Eindruck machen! – Ich würde es nicht aushalten vor Wehmuth u Erregung; so bleibe ich still zurück u lese mir liebe Erinnerungen! Otto mit den Seinen; die gute Wine mit ihrem Herrmann und Alle Näherstehenden sind nebst den Professoren u Künstlern natürlich dabei! Über den Tod des trefflichen Prof. Litzmann schreiben Hübner’s aus Berlin heut auch sehr traurig! – Ja, wir pilgern Alle hienieden so lange es Gott gefällt! – Wohl denen die durch ihr geistiges Schaffen ewig fortleben!
Ade geliebte Clara! Immer in Dank u Liebe Ihre L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 400f.
 



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