19.12.2019

Briefe



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ID: 18068 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 11.11.1890
 

Düsseldorf d. 11t Nov. 1890.
Meine herzlich geliebte Clara!
Welche Freude u Wohlthat waren uns die erquickenden Nachrichten über Ihr glückliches Concert; u dann Ihr so schnell geschriebenes Wiedersehen mit Felix u Helene! Ich war gar so froh, daß diese Sie überhaupt fanden; aber freilich hätte ich es auch den Kindern gegönnt „Ihr trauliches Heim“ zu sehen, u die viel geliebte u verehrte Frau Schumann in den eigenen Räumen in der Erinnerung zu haben! – Felix schreibt mir heut aus Berlin, daß er Sie so besonders frisch gefunden u garnicht ermüdet vom Concert. Gottlob daß es so ist; u daß auch die Sie umgebenden Kinder u Enkel so frisch waren! Erstaunt war er natürlich über die fürstliche Existenz von Sommerhoff’s.
Vielen vielen Dank auch für alle treue Liebe die Sie unserem Felix erhalten haben. Er schreibt heut sehr befriedigt über die Ausstellung von meines theuren Mannes Werken in der Nat. Gallerie, sie sei ganz seiner würdig; ruhig, ernst u gehaltvoll: Auch Helene konnte gleich gestern mit ihm hingehen, da sie in sehr gutem Schlafwagen ruhig u ohne Nachtheil die Fahrt machte! – Ich hoffe die bösen Kopfweh u der Schwindel verlieren sich allmählig, u wenn die Kinder gesund bleiben u nicht zu viele Sorgen machen überwindet sie das fatale Leiden, da sie doch im Ganzen eine gute Natur hat. – Wie gern ich auch n. Berlin flöge, können Sie begreifen; aber ich wage es nicht, weil ich mich zu leicht erkälte u dann dort den Andern zur Last wäre, so lieb u treu u gern mich auch unsre Hedwig pflegen möchte. – Otto u Mariechen werden Freitag für 8–10 Tage hinreisen, was mich sehr freut; denn so sehen doch die Herren der Direktion auch, wie dankbar u erfreut Kinder u Enkel für die mühevolle Einrichtung der Ausstellung sind, u für die Anerkennung überhaupt. – Den Katalog habe ich natürlich erhalten u auch schon die Vossische Zeitung in der eine ganz ehrenvolle Beschreibung steht. – Meine liebe Fr. Jacobson schreibt mir aus dem Haag daß Joachim in Amsterdam im Quartett spielte, in Utrecht ebenfalls im Concert; u Fr. Matthes erzählt wie er in Brüssel Alles begeisterte, wo ihre Tochter ihn in einem schönen Concert hörte! – So ist er wohl wieder enorm fleißig! – Sein Bildniß hängt auch mit unter den vielen schönen Portraits die man von den gütigen Besitzern zur Ausstellung erhielt u die meistens sehr gefallen! – Das erste malte mein Mann mit 17 Jahren, also 1828; das letzte vorig Jahr: 1889! Welche Gnade, daß er so lange u so viel aus allen Gebieten des Lebens schaffen durfte! Doch Verzeihung, daß ich Ihnen zu viel davon erzählte! – Frl. Leser besuchte ich vor Tisch, sie ist ganz wohl, nur ihre Augen sind ein wenig entzündet u daher ging sie nicht aus! Ich rede immer sehr zur Ruhe zu wegen der Wohnung; sicher findet sich wieder eine Gute, wie früher.
Ade, ade, mit herzlichstem Kuß u vielen Grüßen für die Kinder Ihre dankbare
getreue L. B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Kiel
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 416ff.
 



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