19.12.2019

Briefe



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ID: 18069 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 15.04.1891
 

Düsseldorf den 15t April 1891.
Meine geliebte Clara!
Wie wunderbar werden der Menschen Geschicke geführt! u wie schnell werden die Besten oft aus diesem Erdenleben abgerufen! So nun auch Ihr treuster bester alter Freund! Wohl ihm daß er sanft u ohne Schmerz scheiden durfte; – aber der Schreck, die tiefste Trauer ist für die Zurückbleibenden um so größer! Ich fühle tief mit Ihnen wie schmerzlich Sie erschüttert wurden u hoffe nur, daß Gott Ihnen wie in allen Prüfungen, Kraft u Ergebung schenkt; u Sie sich durch Ihre schöne herrliche Thätigkeit immer wieder hinaufschwingen über das irdische Leid hinweg! –
Ja meine liebste Clara, suchen Sie sich in jeder Weise zu stärken u zu erfrischen! Sie dürfen sich nicht zu sehr in trübe Gedanken vertiefen – Ihre erhebende Kunst, die Jugend, Alle die Sie so innig lieben müssen die schmerzlichen Eindrücke mildern helfen! – Die liebe Frl. Leser brachte mir gleich Ihren schönen Brief u ich bewundere wie Sie doch schon wieder so viel schreiben konnten. Herzlichsten Dank auch von mir! Zu sehr freut mich Ihr Wohlgefallen an den großen Enkel [sic] u welcher Trost liegt doch darin daß die Knaben die so sehr gute Erziehung beim Direktor Hennes hatten! – Und Eugenie schwimmt hinaus in den Süden! Gott geleite sie. Ich staune nur, daß sie so lange als Lehrerin der Hochschule fehlen darf, weil sie grade mir ihre Befriedigung im Umgang mit den Schülern so sehr pries, u wie nothwendig es sei, sie gut im Zuge zu halten! Doch wahrscheinlich hat sie eine gute Stellvertreterin! – Es ist eine unruhige Welt; nach meinem Gefühl nicht zum Segen der Menschen wird Alles überstürzt u geschieht Alles in Eile. – Schonen Sie sich nur geliebte Clara! Unternehmen Sie nichts eher, als bis milde Lüfte wehen; es ist ja überall noch kalt u die Häuser sind vom langen Winter ausgekälteter als je! Ich war seit 3 Tagen auch nicht mehr aus dem Haus, denn bei der rauhen Luft, holt man sich nur neue Erkältungen. – Mein Felix8 kommt hoffentlich Ende nächster Woche nochmal auf 2–3 Tage her u wird dann endlich das theure Grab mit dem Monument fertig. Würde es nur endlich warm, denn da F. 14 Tage mit Gicht am Fuß zu Hause sein mußte, bin ich auch für ihn besorgt! – Innigst umarmt Sie u küßt Sie u die liebste Marie Ihre treu mitfühlende alte
L. Bendemann

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Kiel
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 423f.
 



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