15.07.2019

Briefe



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ID: 1807 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 06.12.1851
 

Düsseldorf, den 6ten December 1851.
Verehrter Freund,
Haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, der mich sehr erfreut hat. Mit der Möglichkeit der Ausführung, die Sie in Aussicht zu stellen so freundlich sind, wandelte mich doch auch ein leises Grauen an vor der Größe des Unternehmens – ich kann es nicht läugnen; aber ich weiß auch, daß, wo Sie die Hand mit anlegen, die Ueberwindung der großen Schwierigkeiten bei einem etwa nicht glückenden ersten Anlauf nicht gleich aufgegeben
wird. Und so freue ich mich denn, daß Sie es sind, der, diese gewaltige Dichtung Lord Byron’s in’s Leben zu rufen, seinen Beistand zugesagt.
Vor Allem möchte ich Sie noch einmal um Zusendung meines Textes auf einige Tage bitten; es sind noch einige Unklarheiten darin. Ich schicke Ihnen dann den Text mit der Partitur sogleich zurück.
Und nun die Frage noch: wäre es Ihnen möglich, die Aufführung bis Anfang Februar zu verschieben? Meine Frau hat mir am 1sten December ein Töchterchen geschenkt. So wohl sie sich befindet, so vergehen doch über eine vollständige Kräftigung gewöhnlich einige Monate – und daß sie zur Aufführung des Manfred mit nach Weimar kommen möchte, darauf freut sie sich schon jetzt. Also deshalb vorzüglich möchte ich, daß die Aufführung vielleicht etwas später stattfinden möchte.
Mit Freude habe ich gehört, daß Sie die Ouverture zur Braut von Messina in Weimar aufgeführt. Schreiben Sie mir ein Wort darüber, wie Ihnen das Stück gefallen. Man hört so selten von Künstlern über sich urtheilen – und was die sogenannten Kritiker von Fach sagen, ist in Lob wie Tadel meist so albern, daß man es nur belächeln kann. Es ist freilich nie anders gewesen.
Den 1sten Band von R. Wagner’s neuem Buch habe ich gelesen; es ist sehr bedeutend. Aber sonderbar, daß er den Fidelio nicht erwähnt.
Für heute nur noch die freundlichsten Grüße und verehrungsvollsten Empfehlungen der Frau Fürstin.
R. Sch.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Liszt, Franz (964)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 172ff.
 



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