19.12.2019

Briefe



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ID: 18071 Brieftext


Geschrieben am: Montag 26.08.1867
 

Düsseldorf d. 26t Aug. 67.
Wie können Sie nur irgendwie denken geliebte theure Clara, daß meine Gefühle weniger warm für Sie sind, als früher! – Ach! mein Schreiben an Frl. Leser geschah so schnell u in aller Unschuld – nur weil ich den dringenden Wunsch hatte Ihnen, ihr u Ihren Kindern ein paar Worte mehr über Marie’s Niederkunft zu sagen, als es die kahle Zeitungsnachricht thun konnte! Und da ich ja wie Sie wissen von jeher, Sie Vielgeplagte nicht auch noch mit Antwort u Schreiben plagen will – so schien es mir besser Sie zu schonen u durch unsre beiderseitig so liebe Freundin uns zu unterhalten. Doch, nun bin ich ganz froh daß es so gekommen, denn Ihre köstlich wohlthuenden Worte hätte ich sonst vielleicht nicht gehabt u so leid es mir ist, daß ich Sie wirklich etwas gekränkt habe so tief dankbar bin ich von Ihrer wahren treusten u schönsten Liebe für uns mehr u mehr durchdrungen! – Ich küße Ihren Mund u Hände daher so recht herzlich in Gedanken u kann nur versichern, daß meine treuste Liebe zu Ihnen nie sich ändern kann u wenn ich als schwaches Menschenkind fehle, dann verzeihen Sie es mir u sagen Sie es mir offen wie dies Mal – das ist ja das Schönste wenn die Freundschaft so helfend u so fördernd sich zeigt. – Mein Mann hat sich auch sehr über Ihren Brief gefreut, fühlt ebenso wie ich u dankt Ihnen tausend Mal; auch an Marie theilte ich davon mit; doch muß man ihr erst nach u nach alles erzählen, denn sie ist doch öfter etwas weich, grade wenn sie so die vielen Liebesbeweise von Verwandten u Freunden hört! – Aber Marie’s u Julie’s Worte hat sie sich [sic] natürlich selbst gelesen u war ganz roth u strahlend, wie herzlich u lieb sie ihre Freude ausdrückten! – Gottlob geht Alles nach Wunsch u der Kleine trinkt nach einigen mühevollen Tagen ganz gut bei seiner Mama u ist im Ganzen ein ruhiges Kind; nicht extra groß u stark, aber gesund u normal in Allem. Er heißt wie Sie richtig ahnten Eduard! – Morgen wird er ganz still in der kath. Kirche getauft, die beiden Großväter sind Pathen u gehen die Großmama’s aber auch mit zur Kirche auf Otto’s besonderen Wunsch. Unsre treue Minna Meyer die seit 14 Tagen unser Gast ist, wird so lange bei Marie bleiben u ihr auch über diese schwere Stunde helfen, denn unser Kind fühlt tief das Schwere ihren Erstgeborenen nicht taufen sehen zu können, wie es bei uns Allen sonst war, u die wohltuende Wärme des Segens den der Geistliche doch meist recht schön in unsern Familien für den Neugebornen u die Eltern aussprach, nicht zu hören! Es geht eben in diesem Leben ohne Schatten auch neben dem schönsten Licht nicht ab u das wird u muß ja gut sein für unsre Seelen u Geister! – In Coblenz bei der jungen Frau Hübner geht es auch gut u wir sind froh von allen Lieben gute Nachr. zu haben! – Mein Mann hat sehr unangenehme Geschäftssachen, die ich Ihnen Mal mündlich erzähle; man macht ihm sein Leben hier nach seiner Rückkehr recht schwer, was mir schrecklich leid ist, wie Sie denken können u so gern möchte ich ihm Alles abnehmen, wäre es nur möglich.
Hiller wird nächsten Sonnabend u Sonntag hier zu einem Sängerfest erwartet u bei uns wohnen! – Ade, ade, vielen Dank auch an Frl. Leser für den Brief u herzlichste Grüße Ihre treuste Lida B.

Mit meinen herzlichsten Grüßen bestätige ich, was meine Frau geschrieben, die alt[e] Freundinnen nicht vergißt, so wenig wie der Ihnen sehr ergebene E Bendemann

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 127ff.
 



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