19.12.2019

Briefe



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ID: 18166 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 22.10.1852
 

Hochgeehrteste Frau Dr

Auf 2 so liebenswürdige Briefe soll man die Antwort nicht schuldig bleiben, sage ich mir eben beim Empfange des 2ten, obgleich der Gegenstand um den es sich in denselben handelt, Ihnen in diesem Augenblicke schon entgegen dampft. Geht es mir denn Anders als Ihnen? Ich versichere Sie daß ich seit der Zeit daß wir zusammen Musik machten3 mit Niemanden mit eigentlicher Lust gespielt habe und daß mir nichts erfrischender sein könnte als <wenn> auch einmal zu Ihnen nach Düsseldorff zu kommen; wie soll ich das aber anfangen? Frau und 6 Kinder, seit kurzem auch ein eignes Haus, einstweiliges Taktschlagen im Gewandhaus, so und so viel Paganini-werden-wollende Schüler, das sind wohl genug Hemmschuhe. Ich gebe die Hoffnung nicht auf daß wir Sie und Ihren lieben Mann doch noch diesen Winter einmal hier sehen und dann will ich schon sorgen daß die Violine in Ordnung ist. Gewiß bringt uns Schumann dann wieder etwas Neues Schönes mit, was wir ihm <>hoffentlich zu Dank vorspielen werden. Gestern Abend machten wir die b dur Symph. im Ab. Conc. die, wie immer Mitwirkende und Zuhörende aufs Höchste erfreute. Wie freue ich mich zu hören daß es mit Schumanns Gesundheit wieder gut geht, vielleicht denkt er nun auch einmal an ein Violin-Conzert, das könnte mir wieder Lust zum Solospielen machen, an dem ich schon seit einiger Zeit keine rechte Freude mehr habe. Zu Neujahr kommt Gade her, wie Sie vielleicht erfahren haben, bis dahin habe ich das Dirigiren übernommen. Hat Schumann nicht etwas Neues was er uns fürs Orchesterpensions Conzert geben könnte<;>? für sorgfältigstes Einstudiren würde ich Sorge tragen. – Beim neulichen Einstudiren der b dur Symph. ist mir aufgefallen daß die meisten Metronom Bezeichnungen in derselben doch wohl etwas zu schnell sind; Schumann sagte mir bei Ihrer letzten Anwesenheit hier daß sie in den Quartetten zu schnell seien u. daß wohl sein damaliges Metronom nicht richtig gegangen ist. Ich mache Ihnen diese Bemerkung <ist> weil die Partitur jetzt gestochen wird u. da, wenn ich Recht habe, eine Gelegenheit wäre, die richtigen Bezeichnungen hinein zu bringen. Meine Frau, die sich Gottlob, recht wohl befindet erwiedert Ihre freundlichen Grüsse aufs Herzlichste. Schumann viele herzliche Grüsse von Ihrem in aufrichtigster Verehrung
ergebenen
Ferdinand David.

Leipzig 22. Oct. 1852.

  Absender: David, Ferdinand (339)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
332ff
 



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