19.12.2019

Briefe



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ID: 18218 Brieftext


Geschrieben am: Montag 09.05.1881
 

[Auszug RSA II/3, S. 386/387:]

Liebe, verehrte Freundin!
Die Revision der Märchenerzählungen geht heute an Härtel's ab; erst gestern konnte ich sie vollenden, da die Faust-Aufführung [WoO 3] nebst zahllosen Abhaltungen und Arbeiten dazwischen kam. [...]
Die Revision hat eine Menge sehr überraschende Dinge zu Tage gebracht und ich habe Alles genau nach dem für mich ganz deutlichen Manuskript hergestellt. Bei 3 Stellen ist mir aber der Gedanke gekommen, ob Schumann bei der Correctur nicht etwa noch Aenderungen gemacht habe, sodaß diese letzteren doch schließlich - trotz Manuskript - die echte Lesart darstellen.

1.) Im 4ten Takt auf S. 5 [= Nr. 1, T. 28] das f (Es) in der Clarinetten-Stimme. (Im 7. Takt [= Nr. 1, T. 31] auf derselben Seite überraschte mich das a in der Clarinette, statt fis, doch ist ersteres wohl unzweifelhaft das Richtige.)

2.) S. 6 Takt 13 [= Nr. 1, T. 50] steht in der Handschrift ganz unzweifelhaft in der Clarinette so:
[Notenbespiel]
was sehr schön ist; aber ob Schumann doch nicht etwa bei der Correktur daraus
[Notenbeispiel]
gemacht hat, um die Nachahmung genauer zu machen?

3.) Seite 11 in der Clavierstimme, Takt 6 [=Nr. 2, T. 88], ist das 4te Achtel nicht [Notenbeispiel], sondern [Notenbeispiel]
und zwar hat Schumann dieses Es mit Bleistift statt das g, welches er ausgestrichen, auf das deutlichste hingeschrieben. Zuerst frappirte es mich sehr <sehr>; doch finde ich jetzt diese Vorausnahme sehr schön und fein musikalisch. Die übrigen Bleistiftcorrecturen (deren viele darin sind) sind alle, bis auf diese, maßgebend gewesen u. finden sich im Druck.

Zweifelhaft, ob nicht nachträglich corrigirt, um die Octaven mit dem Baß zu vermeiden, könnten auch noch auf S. 20 die Takte 4 u. 5 [= Nr. 4, T. 15-16] in der Bratschenstimme sein. - Ich sehe doch, daß ich <daß> das corrigirte Exemplar erst an Sie schicken muss, damit Sie endgültig entscheiden. Es ist doch zu wichtig, daß in die monumentale Ausgabe nichts hereinkommt, was nicht ganz bewiesen ist.

Ich habe natürlich auch auf das Strengste vermieden, Vortragsbezeichnungen, die sich aus Parallelstellen ergeben hätten, einzutragen; das werden vernünftige Spieler von selbst thun. So ist z. B. die Nüance in der Clarinettenstimme, S. 22, T. 2 [= Nr. 4, T. 37ff.], nur dies eine Mal angegeben. Es sind übrigens auffallend wenig Vortragszeichen da, besonders in No. 3. [...]

  Absender: Dietrich, Albert (368)
  Absendeort: Oldenburg
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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