19.12.2019

Briefe



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ID: 18254 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 31.12.1865
 

Monrepos, d. 31. Dez. 65
Meine liebe Frau Schumann!
Das brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu sagen, dß Ihr Brief gestern mit Jubel begrüßt wurde! Vielleicht macht es Ihnen wohl Freude zu hören, dß Sie mir diese freudige Botschaft an meinem Geburtstag geschickt haben,? – Tausend, tausend Dank dß Sie mich nicht vergaßen, u in dem Drange der Geschäfte, während einem so kurzen Aufenthalte, Ihre kostbare Zeit für mich opferten! Werde ich Ihnen sentimental erscheinen, wenn ich Ihnen sage: der Flügel wird mir doppelt willkommen sein, da Sie ihn ausgesucht, u Ihre lieben Hände darauf gespielt haben? – Nicht wahr, ich darf das sagen, denn es ist wahr, wenn ich auch nicht behaupten will, dß es immer gut ist, die Wahrheit zu sagen.
Daß der Flügel nicht mehr als 400 rh kostet, freut mich unendlich, da ich nicht im Stande bin, mehr zu geben. Wenn ich ihn nur ganz schnell haben könnte! Glauben Sie, daß er länger als Tage unterwegs sein wird? Nämlich ich gehe schon im Januar nach Wiesbaden, um krampfhaft in die Welt geführt zu werden. Da möchte ich gern mein Instrument vorher noch genießen. – Daß Sie nach Coblenz kommen, erweckt große Wünsche in mir, obgleich ich fürchte, dß es wieder so gehen wird, wie mit Frankfurt, wo mir auch ein Querstrich gemacht wurde. Es [ist] so schwer, von hier aus so etwas auszuführen, wenn es am Abend ist, ohne zu übernachten, weil der letzte Zug nach Neu Wied um 8 Uhr geht, u da ist kein Conzert aus! – Aber wollen Sie denn an uns vorbei fahren, ohne einen Blick in unser stilles Waldhaus zu werfen? – Sie fahren in 5/4 Stunden herauf, u in 3/4 Stunden hinunter. Kann man Sie denn niemals sehen?! Ich würde mich ganz kindisch freuen! Aber ich weiß, dß ich unbescheiden bin u schweige darum ganz still. Ich darf nur wünschen, einmal zu sagen: Auf Wiedersehn! – Gott segne Sie im neuen Jahr, u gebe Ihnen Muth u Kraft, u vor Allem Freude an Ihren Kindern!
Ihre von Herzen dankbare
Elisabeth Wied

  Absender: Elisabeth (Pseudonym: Carmen Sylva), Prinzessin zu Wied (418)
  Absendeort: Monrepos
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
342f.
 



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