19.12.2019

Briefe



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ID: 18258 Brieftext


Geschrieben am: Montag 16.12.1867
 

Monrepos, d. 16. Dez. 67
Meine liebe Frau Schumann!
Da ich leider nicht selbst zu Ihrem Conzerte kommen kann, wie ich es doch so sehr gewünscht hatte, so müssen Sie wenigstens wissen, daß ich an Sie denke, in treuer, dankbarer Liebe u so soll meine Freundin, die Tochter unseres Kammerdirectors, Herrn von Bibra, es versuchen, mir mündliche Nachrichten von Ihnen zu bringen. Vielleicht wird es ihr gelingen, Sie zu dem langversprochenen Besuche bei uns zu bewegen, Mama fragt so oft: „Wann wird Frau Schumann endlich kommen?!“ Monrepos liegt ganz auf Ihrem Wege, ist still u einsam, mit behaglich warmen Zimmern, u einigen Herzen, die Ihnen warm entgegenschlagen, u die Sie sehr glücklich machen könnten!
Ich habe Ihnen so lange nicht geschrieben, weil ich gar viel in der Welt umhergelaufen bin, nach allen Richtungen, u überhaupt mit Briefen schrecklich faul bin; daneben finde ich es auch so unbescheiden von mir, Sie oft mit meinen Episteln zu quälen.
Vor einigen Wochen kam ich mit der Großfürstin nach Baden u rechnete darauf, Sie dort zu finden, war also sehr enttäuscht dß Sie schon abgereist waren. Die letzten Nachrichten von Ihnen hatte ich durch Fräulein Regan, die wenige Tage darauf nach Carlsbad kam u gleich engagirt wurde als Sängerin der Großfürstin. Von dem Mädchen war ich ganz entzückt. Ich brachte nachher 4 Wochen mit ihr in Ragaz zu, in fast beständigem Verkehr, u ich kann sagen, ich habe sie lieb gewonnen. Sie ist nicht nur gescheidt, sondern auch verständig, was in meinen Augen viel mehr bedeutet u ihr Gesang hat uns alle entzückt. Sie scheint in Petersbg sehr zu gefallen. Fl. v. Rahden schrieb: „Sie könnte leicht der Liebling des Publicums werden.“ – Ich habe 4 Monate nun mit Fl. Rahden von früh bis spät gelebt; Sie können sich die Freude für mich denken, denn wir haben uns sehr lieb!
Wenn ich Ihnen dieses Alles nur mündlich erzählen könnte, ich wäre zu froh! Ich will auf H. v. Bibra’s Ueberredungskunst vertrauen! Hoffentlich auf Wiedersehn!
Ihre
Elisabeth Wied

  Absender: Elisabeth (Pseudonym: Carmen Sylva), Prinzessin zu Wied (418)
  Absendeort: Monrepos
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
349f.
 



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