19.12.2019

Briefe



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ID: 18328 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 15.09.1889
 

Puzta Szöd-Rákos.
Post Waitzen.

15 Sept. 889.

Hochverehrte, theure Frau Schumann.
Groß und aufrichtig war meine Freude, als ich gestern in der Zeitung Kenntniß erhielt von der Ihnen gewordenen seltenen Auszeichnung. Sie wissen, treu und ergeben, so lang’ diese Maschine ihr zugehört, – nehme ich innigen Antheil an Allem, was Sie betrifft. Um so angenehmer berührt es einem, als der Kaiser sich durch Verleihung dieser Auszeichnung selbst geehrt hat und wieder den Beweis liefert, daß er das Wahre, Gute, Edle zu erkennen u. zu schätzen versteht. –
|2| Durch meine Schwägerin haben Sie in Franzensbad gehört, daß ich von Salzburg aus, einen Tag zum Besuche für Moritz mir aufbewahrt hatte. Leider sollte daraus nichts werden! Ich hatte die Hoffnung, Sie wiederzuseh’n und auch nochmal mündlich Alles zu versuchen, um Sie im Herbst nach Pest zu überzeugen. Nun ist Alles anders gekommen. Denken Sie, Freund Dunkl hat sich mit seinem Schwager, dem Inhaber der Firma, entzweit und ist dieser Tage nach Wien übersiedelt. Sein Sohn verbleibt im Geschäft. Vielleicht wird diese Veränderung grade günstig wirken zur Verwirklichung des Planes, Sie nochmal wieder in Pest zu sehen und zu hören.
|3| Mitte Oktober ungefähr, gedenke ich mit meiner Tochter auf 2–3 Wochen nach Schwerin zu reisen. Es ist schon lange der Wunsch meines Bruders, daß ich ihn endlich werde ausführen können. Doch leider werden wir Frankfurt nicht berühren. Meine Schwägerin schreibt mir, daß <er> mein Bruder sich nicht besonders wohl fühlt; sein Magen ist häufig leidend und verursacht ihm dann Schwäche. Er hat eben den Sommer eigentlich gar nichts für seine Gesundheit gethan, außer auf Jagd zu gehen. Manche Männer sind unvernünftig und lassen sich nichts sagen; so auch der meine, der sich wieder von Ems gedrückt hat, dann aber hier vor 2 1/2 Wochen vom Pferd gestürzt ist. Gottlob kamen wir mit dem furchtbaren Schreck u. er |4| mit etlichen Contusionen davon, die wieder quasi behoben sind.
Mein Sohn wird im October Studiosus jur. in Bonn; unsere Awine ist auch schon erwachsen, 16 Jahre vorüber, sieht sehr entwickelt aus, d. h. etwas fett, was aber eher ein Mangel an kräftigem Blut ist. Das Städteleben u. besonders Budapest, <ist> wirkt nicht günstig auf die Entwicklung junger Mädchen. Lassen Sie, theure Frau Schumann, bald Gutes hören.
Mit innigen Grüßen an die Töchter, umarmt Sie in Gedanken
und treuer Freundschaft
Ihre
Josefine v. Floch.

  Absender: Floch-Reyhersberg, Josephine von geb. Schmitt, Josephine (2273)
  Absendeort: Puzta Szãd-Rãkos bei Wai
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 4
Briefwechsel Clara Schumanns mit Maria und Richard Fellinger, Anna Franz geb. Wittgenstein, Max Kalbeck und anderen Korrespondenten in Österreich / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Anselm Eber und Thomas Synofzik / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-015-5
401ff
 



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