15.07.2019

Briefe



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ID: 18458 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 20.09.1881
 

Leipzig d. 20/9 81.

Verehrte liebe Frau Schumann!
Ich wollte die Reden nicht eher abschicken, als bis ich Sie wieder sicher in Frankfurt vermuthen könnte. Es ist etwas spät geworden, doch denke ich Sie werden auch jetzt noch gern die Worte lesen, die Ihrem alten treuen Freunde in das Grab nachgerufen worden sind. Die Rede von Pastor Valentiner ist im Hause, am Sarge gehalten worden, die von Clemen draußen auf dem Friedhofe. Letztere machte einen tiefen Eindruck, noch mehr als die erstere und ich habe auch von denen die beide Reden nur gelesen haben, dasselbe sagen hören. Ob es Ihnen auch so gehen wird? Für Ihre lieben herzlichen Worte, auf meinen ausführlichen Brief, der recht der Nachsicht bedurfte, haben Sie tausend tausend Dank! Es war so sehr gut von Ihnen, daß Sie mir so schnell meine Bitte erfüllten und ich sah daraus daß Sie es gern thaten. Als ich in diesen Tagen den Notenschrank in des Vaters Haus ausräumte und wir die Noten vertheilten, kam manches Interessante zum Vorschein. So: Soiree musicales, dedié à Madame Henriette Voigt par Clara Wieck, was mir nie zu Gesicht gekommen war. Vielleicht wissen Sie auch nicht mehr, daß Sie „Die Grenadiere“ den Eltern abgeschrieben haben, leider steht die Jahreszahl nicht dabei, dieß Blatt werden wir wohl unter uns verloosen, damit nicht Eins bevorzugt ist. Sehr gern spräche ich auch einmal mit Ihnen über einen Herrn Jansen, der eine Biographie von Robert Schumann schreiben will und dazu die Tagebuchblätter meiner Mutter haben will. Ich bin nun in solcher Beziehung vielleicht zu discret, glaube aber nicht daß ich mich entschließen könnte dieselben herzugeben. Herr Jansen hat sich schon vor ein paar Jahren an den Papa gewandt, auch wegen Briefen von Ihrem Manne, ich weiß nicht wie weit die Sache zwischen Beiden gediehen war, ob er die besagten Briefe in Händen gehabt hat, jetzt besitze ich sie da sie an meine Mutter waren. Nun hoffentlich können wir über so Manches im Laufe des Winters zusammen reden.
Heute nur noch die herzlichsten Grüße von meinem Manne für Sie Alle und von Ihrer
Ihnen treu u. innig ergebenen
O. Gensel

  Absender: Gensel, Ottilie (527)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 193ff.
 



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